Einkaufen am Reformationstag: Bedauern und Empörung

Einkaufen am Reformationstag: Bedauern und Empörung
"Keine böse Absicht", heißt es in Köln, Empörung dagegen in der NRW-Landeshauptstadt Düsseldorf - die evangelische Kirche reagiert unterschiedlich auf die Ladenöffnungen am 31. Oktober, dem Sonntag und Reformationstag.

Der Sonntag ist ein Tag der Gemeinschaft, ein Tag, an dem man mit Freunden zusammen ist, ein Tag des gemeinsamen Gottesdienstes, des gemeinsamen Gesprächs, des gemeinsamen Musizierens oder Musikhörens, ein Tag des gemeinsamen Spielens. Deshalb hat sich der Superintendent des Kirchenkreises Düsseldorf, Ulrich Lilie, gegen eine Inflation der Sonntagsöffnung in Düsseldorf ausgesprochen. Gemeinsam mit dem katholischen Stadtdechanten, Rolf Steinhäuser, hat der Superintendent einen Brief an den Oberbürgermeister, die Bürgermeisterinnen und den Bürgermeister sowie die Ratsfraktionen der NRW-Landeshauptstadt geschrieben. Darin machen die Repräsentanten der beiden großen Kirchen auf die Bedeutung des Sonntags aufmerksam.

Der Sonntag sei ein Tag, der das Zeichen setzt, dass Menschen nicht durch Konsum leben. Dass zum Beispiel der Sonntag, 31. Oktober, der in diesem Jahr zudem der Reformationstag ist, ein Tag der offenen Geschäfte in der Innenstadt ist, halten Steinhäuser und Lilie für eine "geistlose und die kulturelle Substanz unserer Stadt betreffende" Entscheidung.

Entscheidung durchgewunken

Vor Journalisten machte Lilie deutlich, dass er sich auch vor allem gegen den Automatismus, mit dem der Rat der Landeshauptstadt Anträge zur Sonntagsöffnung "durchwinkt". Es gebe in Düsseldorf dermaßen viele geschäftsoffene Sonntage in der Innenstadt und in den Stadtteilen, dass man fast immer sonntags einkaufen gehen könne.

Mit einer geringen Anzahl von Sonntagsöffnung ließe sich sicherlich leben, so Lilie. Es gehe mit dem Protest der Kirchen nicht um einen Fundamentalismus. Doch wenn Anlässe für die Sonntagsöffnung erfunden werden - wie etwa das Krokusfest -, so sei das nicht hinnehmbar: "Wir haben als Kirchen hier einen hohen Gesprächsbedarf."

Kirchen melden Gesprächsbedarf an

Der Sonntag sei ein Tag der gemeinsamen freien Zeit, der das Zusammenleben von Menschen aus dem christlich-jüdischen Erbe präge. Inzwischen gebe es in anderen Städten, etwa in Aachen Initiativen, die die Sonntagsöffnungen zurücknehmen.

Besonders wendet sich Lilie gegen das Verfahren, mit dem verkaufsoffene Sonntage genehmigt werden. So würden zwar die Kirchen angeschrieben, deren Einspruch aber nicht zur Kenntnis genommen. "Da wird mit einer gewissen Bewusstlosigkeit entschieden." Dass rund um die Reformationsfeier in der Johanneskirche die Geschäfte öffnen, sei ein falsches Zeichen für die Stadt.

Köln: Bedauern des Stadtsuperintendenten

Auch in Köln ist am 31. Oktober verkaufsoffen. "Bedauerlich, doch nicht mehr zu ändern", sagt Stadtsuperintendent Rolf Domning. Zum Hintergrund: Die eigentlich geplante Sitzung der so genannten Konsensrunde, in der Stadt, Wirtschaft, Gewerkschaften und Kirchen über die verkaufsoffenen Sonntage beraten und möglichst im Konsens entscheiden, war ausgefallen, wie der Evangelische Kirchenverband Köln und Region mitteilt. Und so werden nun in der Kölner Innenstadt sowie zwei weiteren Stadtteilen die Läden geöffnet sein.

"Das war bestimmt ein Versehen, zumal auch der Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters an unserer zentralen Reformationsfeier in der Kölner Trinitatiskirche teilnehmen wird", so Domning weiter. Der Stadtsuperintendent lädt zur Teilnahme an der Reformationsfeier offen ein, der Platz reiche auch für die Einkaufstüten.