TV-Tipp des Tages: "Kleinruppin forever" (Sat.1)

TV-Tipp des Tages: "Kleinruppin forever" (Sat.1)
Eine Mischung aus das "Doppelte Lottchen" und "Good Bye Lenin" bietet heute Sat.1. Ein Zwilling strandet im Osten und muss sich mit dem Leben dort arrangieren.

"Kleinruppin forever", Samstag, 10. Juli, 20.15 Uhr bei Sat.1

Von 1985 war in der DDR die Welt noch in Ordnung; sieht man davon ab, dass die Ordnung staatlich verordnet war. Nichts deutete darauf hin, dass vier Jahre später von heute auf morgen alles anders werden würde. Westdeutsche Schulklassen machten ihre Zonensafari und waren viel zu schnell wieder weg, um festzustellen, dass die Jugendlichen hüben wie drüben gar nicht so unterschiedlich waren. Musik, Klamotten, und natürlich: mit wem und wie oft. Alles andere ist zweitrangig, ganz egal, wo und in welchem Jahrhundert man lebt.

Tim (Tobias Schenke) wohnt in Bremen, ist ein Tennis-Ass und will nach Florida. Erst mal aber geht’s nach Kleinruppin. Dass Tim mit seiner Klasse ausgerechnet dorthin fährt und nicht nach Berlin, was zu jener Zeit doch zum Pflichtprogramm gehörte, ist ein bisschen gewagt, muss aber so sein, denn in Kleinruppin lebt Ronnie. Ronnie ist Tims Zwillingsbruder. Beide wurden getrennt, als ihre Eltern einen Unfall hatten. Tims Adoptivfamilie hat dann irgendwann "rübergemacht", Ronnie ist bei dem etwas verkrachten, aber liebenswerten Erwin (Michael Gwisdek) aufgewachsen. 

Westliche Perspektive

All das erfährt man jedoch erst später, nachdem Ronnie seinem Bruder kurzerhand eins übergebraten hat, um an seiner Stelle in den Westen zurückzukehren. Der Film (Drehbuch: Peer Klehmet, Sebastian Wehlings) aber bleibt stur bei Tim, was ein bisschen schade ist, denn so reduziert sich der Gegenentwurf West/Ost auf die westliche Perspektive. Was Ronnie in Bremen erlebt, wie er den Kulturschock verdaut und sich in Tims Leben einrichtet, erfährt man nicht. Carsten Fiebeler ("Die Datsche") macht aus der Geschichte eine schlichte Verwechslungskomödie mit diversen "Good Bye, Lenin!"-Elementen. 

Tims Dasein mag fortan also unübersehbare Schattenseiten haben, doch Fiebeler hat mit seiner Moritat über das Erwachsenwerden anderes im Sinn. Die etwas schlichte Botschaft: Wenn du glücklich bist, ist es völlig egal, ob du vor oder hinter dem Eisernen Vorhang lebst. Die zunächst so kühle junge Krankenschwester Jana (Anna Brüggemann) taut mehr und mehr auf, und Ronnies Kumpels sind das perfekte Gegenstück zu Tims Freunden daheim. Prompt wird die DDR auch filmisch ein bisschen bunter und freundlicher. Die Dramaturgie mag übersichtlich sein, die Geschichte insgesamt ohnehin eher schlicht, aber unterhaltsam ist der Film dennoch. Man muss allerdings darüber hinwegsehen, dass es Tobias Schenke nicht gelingt, aus Tim und Ronnie zwei verschiedene Charaktere zu formen; die Unterschiede beschränken sich auf Äußerlichkeiten. 

 


Der Autor unserer TV-Tipps, Tilmann P. Gangloff, setzt sich seit über 20 Jahren als freiberuflicher Medienkritiker unter anderem für "epd medien" und verschiedene Tageszeitungen mit dem Fernsehen auseinander. Gangloff (geb. 1959) ist Diplom-Journalist, Rheinländer, Vater von drei Kindern und lebt am Bodensee. Er gehört seit Beginn der 1990er Jahre regelmäßig der Jury für den Adolf-Grimme-Preis an und ist ständiges Mitglied der Jury Kinderprogramme beim Robert-Geisendörfer-Preis, dem Medienpreis der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

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