Tschechen und Slowaken zelebrieren Gemeinsamkeit

Tschechen und Slowaken zelebrieren Gemeinsamkeit
Staatlich getrennt, herzlich vereint: Fast zwei Jahrzehnte nach der Trennung Tschechiens und der Slowakei ist die Sympathie zwischen beiden Nationen so groß wie nie zuvor.

Vor allem in der Unterhaltung boomt die "Tschechoslowakei-Renaissance". Tschecho-Slowakische TV-Shows gibt es zuhauf, slowakische Musiker sorgen für ausverkaufte tschechische Konzerthallen und die Schicksale tschechischer Promis füllen die Seiten slowakischer Klatsch- Illustrierter. Ende April bestätigten zudem die Fußballverbände beider Länder erstmals offiziell den Plan einer gemeinsamen Fußball-Liga, die schon im Herbst 2012 Realität werden könnte.

Suche nach dem Superstar

Nach dem großen Erfolg der von den privaten TV-Sendern Nova (Tschechien) und Markiza (Slowakei) gemeinsam produzierten Musik-Show "Die Tschecho-Slowakei sucht ihren Superstar" wird eifrig an Folgeprojekten getüftelt. Die Konkurrenzsender Prima (Tschechien) und Joj (Slowakei) präsentierten soeben die auch in der Slowakei zu den größten Publikumslieblingen zählende tschechische Sängerin Lucie Bila als eine der Jurorinnen einer geplanten Talentshow. Im Vorjahr hatte die in der Slowakei konkurrenzlos populärste Moderatorin Adela Banasova in der Superstar-Staffel endgültig auch die tschechischen Fans erobert und damit zum Popularitätsvorsprung von Nova und Markiza beigetragen.

Um halbwegs mithalten zu können, überlegen auch die öffentlich-rechtlichen Sender Ceska Televize CT und Slovenska Televizia STV eine gemeinsame Hitparade unter dem vorläufigen Titel "Tschecho-Slowakischer Hit": "Konkret ist das noch nicht, aber CT und STV sind in ständigem Kontakt und beraten auch andere gemeinsame Projekte", verriet STV-Sprecher Peter Susko der Nachrichtenagentur dpa. Eine im April von CT allein ausgestrahlte tschecho-slowakische Miss-Wahl wurde hingegen noch kein großer Erfolg.

Dass in slowakischen TV- und Radiodiskussionen tschechische Gesprächspartner nicht übersetzt werden müssen, ist ohnehin eine nie geänderte Tradition. Zumindest die erwachsenen Slowaken kennen die verwandte Sprache bestens aus der Zeit des gemeinsamen Staates. Die Staatstrennung ununterbrochen überdauert hat auch die Tradition, dass der slowakische Staatssender STV jeden Tag mit den tschechischen Abendnachrichten aus Prag den Sendeschluss begeht - natürlich in der Originalsprache, ohne Übersetzung.

Neues slowakisches Sprachgesetz

Das seit einem halben Jahr gültige neue slowakische Staatssprachegesetz erlaubt Tschechisch sogar wieder ganz offiziell auf allen Dokumenten ebenso wie in Zeugenaussagen vor Gericht als dem Slowakischen gleichgestellte Amtssprache - im Unterschied zu der nur im zweisprachigen Gebiet akzeptierten Sprache der ungarischen Minderheit. Bei TV- und Kinofilmen ist die 1993 erfolgte Staatstrennung sowieso nie angekommen. Auch aus Kostengründen wurden ausländische Filme zumeist einfach in der tschechischen Synchronisation übernommen.

Auch die politischen Parteien leisten sich nun wieder gegenseitige Wahlkampfhilfe vor den anstehenden Parlamentswahlen Ende Mai in Tschechien und Mitte Juni in der Slowakei. Vor allem der sozialdemokratische tschechische Ex-Premier Jiri Paroubek ist Dauergast in der Slowakei und hofft dafür von der Popularität des slowakischen Premiers und hohen Wahlfavoriten Robert Fico mit zu profitieren.

dpa