Nicht nur Deutschland: Auch Japan hat Waschbär-Plage

Nicht nur Deutschland: Auch Japan hat Waschbär-Plage
In Deutschland gefährden sie die heimische Tierwelt, in Japan überdies hölzerne Tempel, Schreine und die Landwirtschaft - die Rede ist von Waschbären. Die ursprünglich als Haustiere aus Nordamerika ins Land gekommenen Tiere rücken den Japanern und ihren heiligen Stätten zunehmend auf den Pelz.

"In der Umgebung von Tempeln und Schreinen gibt es Bäume und Wasser. Sie bieten den Waschbären damit auch in den Städten eine sichere Bleibe", erklärt die Zoologin und Waschbär-Expertin Michiko Kawamichi, in der Zeitung "Yomiuri Shimbun". Die von den Pelztieren angerichteten Schäden nähmen immer mehr zu. "Wir brauchen Maßnahmen, um das Eindringen der Tiere in die Gebäude zu verhindern".

Auch in Deutschland gibt es immer mehr Waschbären sowie Marderhunde: Nach Angaben des Deutschen Jagdschutz-Verbandes (DJV) ist die Zahl der beiden Wildtiere innerhalb von zehn Jahren auf das Neunfache gestiegen. Um nicht zuletzt die Artenvielfalt in Deutschland zu schützen, sei eine effektive Kontrolle der Bestände zwingend erforderlich. Auch Japan schlägt Alarm. Inzwischen sind Waschbären laut dem Umweltministerium zu "invasiven Arten" erklärt worden. Die Raubtiere bedrohten das Ökosystem genauso wie die Mungos, die ursprünglich importiert worden waren, um Schlangen zu fressen.

Früher Haustier, heute Kratzer-Ketzer

Dabei waren Waschbären anfangs in Japan gern gesehen. Die in den 70er Jahren beliebte Zeichentrickserie "Araiguma Rasukaru" (Rascal, der Waschbär) trug laut Experten damals zu einem wahren Waschbär-Boom bei. Viele Japaner holten sich die putzigen Tiere als Haustiere ins Land. Doch die inzwischen verwilderten Raubtiere haben sich im Verlaufe der Jahre so vermehrt, dass sie inzwischen zur Plage werden. Seit Jahren klagen Japans Landwirte über zunehmende Schäden. Hinzu kommt, dass sich die Tiere in Japans traditionellen Holzhäusern sowie den Tempeln und Schreiben des Landes ihr eigenes Zuhause einrichten.

Jüngste Untersuchungen an etwa 1.000 Tempeln und Schreinen wiesen laut Medienberichten an etwa 80 Prozent der hölzernen Gebäude Spuren von Waschbären auf. Selbst vor den kostbaren hölzernen Figuren in den Heiligtürmen machen die Tiere nicht halt. Als an einer buddhistischen Figur im berühmten Joruri Tempel in der alten Kaiserstadt Kyoto Kratzer entdeckt wurden, löste dies bei der Bevölkerung des Landes einen wahren Schock aus. Auf der nördlichen Hauptinsel Hokkaido hatten die Waschbären zudem bereits vor Jahren so viele Füchse in die Flucht geschlagen, dass die Zahl von Ratten dort stark angestiegen war. Deshalb bliesen die Menschen dort zur Jagd auf die Pelztiere.

Artenschutz-Bestimmungen fordern strikte Kontrolle

Waschbären gelten als konkurrenzstarke Raubsäuger. Sie kommen in vielen Lebensräumen klar, vermehren sich schnell und sind bei der Nahrung wenig wählerisch. Außerdem fehlen natürliche Feinde. Internationale Artenschutzabkommen wie das Übereinkommen über die Biologische Vielfalt und die Berner Konvention fordern deshalb eine strikte Kontrolle von Waschbären. Japan hat es deshalb verboten, die Tiere zu importieren, zu verkaufen oder sich als Haustier zuzulegen.

Die japanischen Städte, die besonders unter Schäden durch die Tiere leiden, haben es ihren Bewohner nun ermöglicht, sich Käfige von der jeweiligen Stadtverwaltung auszuleihen. Damit dürfen die Japaner die pelzigen Plagegeister selbst fangen. Anschließend holt die Stadtverwaltung die Tiere ab - und tötet sie.

dpa

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