Bildergalerien

Muslimische Pfadfinder auf dem Kirchentag

Galerie

Muslimische Pfadfinder auf dem Kirchentag
03.07.2019
Victoria Jung (Fotos), Jana-Sophie Brüntjen (Text), Anika Kempf
evangelisch.de
Ein junger Pfadfinder trägt ein gelbes Halstuch mit der Aufschrift "Ich helfe"

Foto: Victoria Jung

Ein junger Pfadfinder trägt ein gelbes Halstuch mit der Aufschrift "Ich helfe"

Foto: Victoria Jung

Bei den Pfadfindern sollen junge Menschen lernen, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Genau das taten die jungen muslimischen Pfadfinder auf dem Kirchentag in Dortmund. Einer von ihnen ist Mohamed Akhouaji: Sein gelbes Halstuch wies ihn als einen der rund 4.000 ehrenamtlichen Helfer aus.

Junge muslimische Pfadfinderinnen und Pfadfinder sitzen in der Dortmunder U-Bahn.

Foto: Victoria Jung

Ranim Daree und Omar Salkini mit anderen Pfadfindern und Pfadfinderinnen in der U-Bahn auf dem Weg in den Dortmunder Stadtteil Hombruch. Dort trafen sie sich am ersten Tag des Protestantentreffen mit ihrem Pfadfinderstamm zu Kaffee und Kuchen.

Eine Pfadfinderin posiert vor einem Vogelkäfig und zeigt die Annäher auf ihrer Uniform.

Foto: © Victoria Jung

Schon als Kind in Syrien war Ranim Daree Teil einer Pfadfindergruppe, die ihre Mutter geleitet hatte. In Deutschland hörte sie bei einem Treffen für ausländische Studenten zufällig von den muslimischen Pfadfindern und wusste sofort: Da muss ich mitmachen. Inzwischen ist sie Jugendleiterin. An ihre Kluft, so heißen die Uniformen der Pfadfinder, ist das Abzeichen des BMPPD angenäht. Es zeigt die Lilie und das Kleeblatt als klassische Pfadfindersymbole und die Mondsichel als Symbol für den Islam.

Junge Pfadfinderinnen und Pfadfinder sitzen mit Cheikh Khaled Bentounesin einem Stuhlkreis und zeigen den Pfadfindergruß.

Foto: Victoria Jung

Hoher Besuch: Cheikh Khaled Bentounes, Ehrenpräsident des Bundes traf die jungen Pfadfinder in Dortmund. Zusammen zeigten sie den internationalen Pfadfindergruß. Bentounes gründete den muslimischen Pfadfinderverband in Frankreich und sprach auf dem Kirchentag auf einem Podium zum Thema: "Trialog: jüdisch, christlich, muslimisch".

Ältere Pfadfinderinnen und Pfadfinder sitzen an Konferentischen.

Foto: Victoria Jung

Weil der BMPPD in Dortmund keine eigenen Räume hat, trafen sie sich in den Räumen des Stammes Dortmund-Barop der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg. Der BMPPD ist mit rund 450 Mitgliedern ein vergleichsweise kleiner Verband. Die christlichen Verbände in Deutschland haben mehr als 200.000 Mitglieder.

Muslimische und christliche Pfadfinderinnen sitezn zusammen.

Foto: Victoria Jung

Die muslimischen Pfadfinder gibt es erst seit neun Jahren, dementsprechend wenige eigene Lieder hat der Verband bislang. In dem Workshop "Pfadfinder*innen singen - christlich und muslimisch" entwickelten die Teilnehmer daher zusammen mit dem Komponisten Bernhard König ein neues Lied.
Ein Teil des Textes: "Ein Jahrhundert Pfadfinderei, seit Zwanzigzehn sind wir dabei. Wir gehen unseren Weg, wir gehen ihn mit euch. Ihr geht euren Weg, ihr geht ihn mit uns. Wir gehen unsere Wege, die Ziele die sind gleich."

Pfadfinderin posiert im Grünen für ein Foto und zeigt ihr Halstuch.

Foto: © Victoria Jung

Vanessa Faizi ist schon seit mehr als drei Jahren beim BMPPD, inzwischen ist sie Bundesreferentin des Vereins. Ehrenamtlich engagiert sich die Lehramtsstudentin schon lange: Nach ihrem Abitur arbeitete sie in ihrem freiwilligen sozialen Jahr mit Flüchtlingen. Wer eine Veränderung in der Gesellschaft will, findet Vanessa, muss selbst aktiv werden.

Pfadfinder stehen im Kreis und halten sich an den Händen.

Foto: Victoria Jung

Seine ethischen Grundlagen findet der BMPPD im Koran und der Sunna, der Handlungsweise des Propheten Mohammeds. Zum Ende einer Gruppenstunde beten die Pfadfinder und Pfadfinderinnen gemeinsam. Mit dem Gebet wollen sie sich daran erinnern, Gutes zu tun.

Pfadfinderinnen und Pfadfinder spielen draußen Fußball.

Foto: Victoria Jung

Generell ist der BMPPD offen für alle, unabhängig von Konfession, Herkunft, Nationalität oder Hautfarbe. Das M, das "Moslemische", im Namen soll islamisch geprägte Familien ansprechen. Die Mitglieder sind zwischen 7 und 21 Jahre alt. Hier spielen die jüngeren Mädchen und Jungen auf dem Hof Fußball.

Zwei Mädchen umarmen ihren kleinen Bruder.

Foto: Victoria Jung

Viele Geschwister gehen zusammen zu den Pfadfindern. Die älteren Schwestern Yasmina und Tasnim Saddouk trösten ihren kleinen Bruder Soufiane. Zusammenhalt ist ein wichtiger Wert bei den Pfadfindern: Niemand soll sich ausgeschlossen fühlen.

Pfadfinder und Pfadfinderinnen sitzen nebeneinander im Restaurant, eine öffnet einen Glückskeks.

Foto: Victoria Jung

Nach getaner Arbeit treffen sich die Pfadfinder und Pfadfinderinnen zum gemeinsamen Essen in einem asiatischen Restaurant. Auch Sanae Khalili (Mitte), die auf dem Bild einen Glückskeks öffnet, ist dabei. Sie ist erst seit wenigen Wochen Pfadfinderin, wollte aber beim Kirchentag sofort mithelfen.

Eine Pfadfinderin sitzt auf den Stufen der Oper in Dortmund.

Foto: Victoria Jung

Çağla Dinler half auf dem Kirchentag unter anderem im Opernhaus aus. Sie ist noch nicht so lange bei den Pfadfindern, hat aber schon eine Ausbildung zur Jugendleiterin gemacht. In Berlin ist sie Gruppenleiterin eines Stammes, der gerade aufgebaut wird.
Die Gruppe in Berlin ist die erste in einem ostdeutschen Bundesland. Die anderen elf Gruppen hat der BMPPD in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Hamburg.

Wer auf dem evangelischen Kirchentag in Dortmund die Orientierung verlor, wandte sich an die Pfadfinder. Mit Schildern, Karten und Plänen wiesen sie jedem Besucher den Weg. Mit dabei: Die Mitglieder des "Bundes Moslemischer Pfadfinder und Pfadfinderinnen Deutschlands" (BMPPD). 

Als Muslime auf einer christlichen Großveranstaltung mitzuhelfen, ist für die Pfadfinderinnen und Pfadfinder des BMPPD kein Widerspruch. Dialog, Begegnung, Zusammenarbeit - der 2010 gegründete Bund will sich nicht abgrenzen, sondern einbringen. Neben dem Helferdienst leiteten die jungen muslimischen Pfadfinderinnen und Pfadfinder auf dem Kirchentag einen interreligiösen Workshop und waren bei verschiedenen Podiumsgesprächen vertreten. 

 

 

 

Victoria Jung (Fotos), Jana-Sophie Brüntjen (Text), Anika Kempf