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Christliche Tattoos - Das geht unter die Haut

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Christliche Tattoos - Das geht unter die Haut
Pilger-Tattoo-Studio, Motiv Sankt Georg

Foto: Jonas Opperskalski

Pilger-Tattoo-Studio, Motiv Sankt Georg

Foto: Jonas Opperskalski

Die Familie Razzouk führt ihr Studio im christlichen Viertel von Jerusalem schon seit mehreren hundert Jahren. Einige antike Motive haben sich nicht verändert – nur Technik und Hygiene wurden natürlich modernisiert. Dieser Sankt Georg mit dem Drachen war vor allem zu Zeiten der Kreuzzüge ein beliebtes Mitbringsel aus dem Heiligen Land. Er galt als Schlachtenhelfer bei der Eroberung Jerusalems 1099 und wurde als „Soldat Christi“ zur Identifikationsfigur der Ritter und Krieger. Seit ein paar Jahren erleben gerade die antiken Motive eine Renaissance im ältesten Pilger-Tattoo-Studio von Jerusalem.

Pilger-Tattoo-Studio, Motiv Taube den Olivenzweig

Foto: Jonas Opperskalski

Die Kundschaft kommt aus aller Welt – den unterschiedlichsten christlichen Konfessionen und jeder Altersklasse. Hier hat sich eine protestantische Pilgerin aus Kanada für den Klassiker entschieden: Die Friedenstaube mit dem Ölzweig. In der Bibel bringt eine von Noah geschickte Taube den Olivenzweig auf die Arche zurück. Ein Zeichen des Friedens, nachdem Gott den Menschen den Krieg erklärt hat, weil „die Erde voller Gewalt ist“. Im umkämpften Jerusalem ist die Taube noch heute ein wichtiges Symbol. Tätowiermeister Wassim Razzouk erinnert sich gern an eine 101-jährige Äthiopierin der orthodoxen Tewahedo-Kirche, die Jerusalem nicht ohne ein riesiges Kreuz auf dem Arm verlassen wollte.

Kundschaft kommt aus aller Welt

Foto: Jonas Opperskalski

Mit diesen antiken Olivenholz-Stempeln auf die Haut gedruckt, bekommt die Erinnerung aus der Heiligen Stadt noch einmal eine tiefere Bedeutung. Wer es moderner mag, blättert sich im Katalog durch Marien-Bildchen oder Kreuzigungsszenen. Und so mancher moderne Christ entscheidet sich im letzten Moment doch lieber für eine weltliche Schwalbe oder ein Herzchen.

Motiv kleines Kreuz auf dem Handgelenk

Foto: Jonas Opperskalski

Koptische Christen wie die Familie Razzouk wissen, dass ein kleines Kreuz auf dem Handgelenk einst ein Schandmal war. Während der Islamisierung in Ägypten bekamen es Christen gestochen, die nicht konvertieren wollten. Über die Jahre wurde es zu ihrem Erkennungszeichen, zum Eintritts-Stempel in die Kirche. Das "Jerusalem-Kreuz" mit den vier kleinen Kreuzen dagegen stammt eher aus der katholischen Kirche und steht für die Wundmale Jesu – es wird noch heute von Pilgern aus aller Welt mit Stolz auf dem Unterarm getragen.

Tinte-Kreuz als Souvenir

Foto: Jonas Opperskalski

Wer sich in Jerusalem tätowieren lässt, ist meist das erste Mal in seinem Leben in einem Tattoo-Studio. "Die Leute sind sehr bewegt, manche wollen auch ein wenig Blut vergießen, Schmerz erleiden wie einst Jesus", erklärt der Tätowierer. Während es bei weltlichen Tattoos meist um Individualität geht, steht hier das Zugehörigkeitsgefühl im Fokus. Irakis, Syrer, Libanesen – als sie noch in ihrer arabischen Heimat lebten, war es den Christen in diesen Ländern verwehrt nach Jerusalem zu pilgern. Aber seit viele nach Europa ausgewandert oder geflohen sind, kommen sie in großen Gruppen – und alle wollten sie ein Tinte-Kreuz als Souvenir.

Glaubensbekenntnis gut sichtbar unter der Haut

Foto: Jonas Opperskalski

Während Tätowierungen in Islam und Judentum klar untersagt sind, sind sich die meisten Christen inzwischen einig, dass sich die betreffende Bibel-Stelle gegen Totenverehrung richtet, nicht gegen (christliche) Tattoos. Es heißt: "Ihr sollt Euch keine Zeichen um der Toten willen auf den Leib ritzen." Bei den Kanaanitern war es wohl Brauch, sich die Asche der Toten in Schnitte in der Haut zu reiben. Wen das Gewissen plagt: In Jerusalems Altstadt tragen auch einige Priester, Mönche und Nonnen ihr Glaubensbekenntnis gut sichtbar unter der Haut. Auch wenn es die meisten eher schlicht halten: Die Gestaltung ist ebenso Interpretationssache wie die Bibel. Die Tattoos hier gehören übrigen dem Pilger-Tätowierer Wassim Razzouk. Das Lamm Gottes hat sein 15-jähriger Sohn gestochen, hoffnungsvoller Nachfolger eines Traditionsunternehmens.

Tätowierungen haben im Christentum eine lange Tradition. Sie waren Schandmal, Identitätsmerkmal oder stolzes Zeugnis einer beschwerlichen Pilgerreise. Heute sind sie meist schlicht: Glaubensbekenntnis. Eine Spurensuche in Jerusalem. Diese Geschichte erschien erstmals im Magazin chrismon Plus.
Jonas Opperskalski (Fotos)