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Wo Sternenkinder nicht vergessen werden

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Wo Sternenkinder nicht vergessen werden
15.11.2016
Anika Kempf, Lisa Menzel
evangelisch.de
Kindergrabmal auf dem Hanauern Hauptfriedhof

Foto: Lisa Menzel

Kindergrabmal auf dem Hanauern Hauptfriedhof

Foto: Lisa Menzel

Das Kindergrabmal auf dem Hanauer Hauptfriedhof existiert seit dem Jahr 2000. Die Vorbereitungen starteten 1998. Gemeinsam mit betroffenen Eltern entwickelte die Steinbildhauerei Rode aus dem Main-Kinzig-Kreis das Konzept der Anlage. Die Fläche ist geprägt von dem "Tor in eine andere Welt" in der Mitte des "Wegs der Erinnerung", um das konzentrisch Sterne als Grabplatten angeordnet sind.

Mosekörbchen mit Kleidung aus ehrenamtlicher Herstellung

Foto: Lisa Menzel

In sogenannten "Mosekörbchen" werden Sternenkinder nach der Geburt zu ihren Eltern gebracht. Der Name "Mosekörbchen" drückt die Hoffnung aus, dass die toten Kinder wie Mose gerettet werden und von da an behütet und gut versorgt sind. Die Krankenschwestern bedecken die Kinder mit Kleidung, die von Ehrenamtlichen der "Klinikaktion der Schmetterlingskinder" hergestellt wurde und die Würde der kleinen Menschen wahren soll.

Kapelle im Klinikum Hanau

Foto: Lisa Menzel

Die Kapelle im Klinikum Hanau wird nur in der Nacht zwischen 22 Uhr und 6 Uhr geschlossen. Tagsüber treffen die Klinikseelsorger Hans-Joachim Roth und Peter Schmalstieg oft Angehörige, Patienten oder Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an, die ein wenig zur Ruhe kommen wollen. Im wöchentlichen Wechsel zwischen den Konfessionen finden evangelische und katholische Gottesdienste statt, die über den Klinikinformationskanal live in alle Krankenzimmer übertragen werden können.

Klinikseelsorger Schmalstieg mit Kindersarg im Klinikum

Foto: Lisa Menzel

Klinikseelsorger Peter Schmalstieg zeigt einen Kindersarg aus dem Lager des Klinikums. Berufsschüler der Ludwig-Geissler-Schule in Hanau stellen die Kindersärge für das Klinikum Hanau in regelmäßigen Abständen her. Parallel zum Praxis-Teil in den Werkstätten der Holzfachklasse werden im Religionsunterricht die Themen Sterben und Tod behandelt und auch das Kindergrabmal auf dem Hauptfriedhof besucht.

kreuzförmiger Grabstein mit der Aufschrift "Allen Kindern ohne Grab"

Foto: Lisa Menzel

Zum zehnjährigen Jubiläum des Hanauer Kindergrabmals wurde die Anlage 2011 um einen kreuzförmigen Gedenkstein ergänzt: "Allen Kindern ohne Grab" ist er gewidmet. Damit sind die Sternenkinder gemeint, die nicht unter die Bestattungspflicht gefallen sind und deshalb vor dem Jahr 2000 in Hanau und in vielen anderen Städten nicht bestattet wurden. Der Gedenkstein wurde durch Kollekten des jährlich stattfindenden Gedenkgottesdienstes für Angehörige von früh verstorbenen Kindern und Jugendlichen finanziert.

Grabplatten der Gemeinschaftsbeisetzung von Oktober 2016

Foto: Lisa Menzel

Viermal im Jahr finden öffentliche Gemeinschaftsbeisetzungen am Hanuer Kindergrabmal statt. Der Stern als Grabplatte trägt dann den jeweiligen Monatsnamen der Bestattung. Auf Wunsch der Eltern können die Kinder auch in Einzelgräbern bestattet werden.

Laterne am Kindergrabmal, wo Beigaben und Schmuckgegenstände abgelegt sind

Foto: Lisa Menzel

Die Laterne am Ende des "Wegs der Erinnerung" brennt fast immer und steht für die Perspektive, dass das Leben weit über die Welt, wie wir sie kennen, hinausreicht. Hier können Schmuckgegenstände, Beigaben und Kerzen für die verstorbenen Kinder abgelegt werden.

Pflastersteine, einer ist graviert mit "Verena 1977"

Foto: Lisa Menzel

Auf dem "Weg der Erinnerung" können Pflastersteine mit Namen und Todesjahr der Sternenkinder graviert werden, die die Ruhefrist der Gräber am Kindergrabmal von zehn Jahren überdauern. Dort finden sich auch Inschriften mit Todesjahren, die verraten, dass trauernde Eltern sie erst Jahrzehnte nach dem Tod ihrer Kinder einsetzen haben lassen.

Seit August 1999 werden alle fehlgeborenen Kinder aus dem Klinikum Hanau auf dem Hauptfriedhof beigesetzt. An der Entstehung und Fortführung des Kindergrabmals auf dem Hanauer Hauptfriedhof und den Abläufen in den Hanauer Krankenhäusern sind viele Parteien beteiligt: Die evangelische und katholische Klinikseelsorge des Klinikums Hanau und des St.-Vinzenz-Krankenhauses, die die betroffenen Familien im Krankenhaus und auch darüber hinaus begleiten; der Verein FrauenWorte e.V. mit ihrer "Klinikaktion der Schmetterlingskinder", die ehrenamtlich Kleidung für die Allerkleinsten herstellen; die Steinbildhauerei Rode aus dem Main-Kinzig-Kreis, die das Grabmal gestaltet hat und bis heute Sterne für Beisetzungen am Kindergrabmal graviert; das Klinikum Hanau und das St.-Vinzenz-Krankenhaus Hanau, die abwechselnd die Kosten für die Gravur der Grabplatten für die Gemeinschaftsbeisetzungen tragen; die Stadt Hanau, die die Fläche auf dem Friedhof zur Verfügung gestellt hat und mit der Friedhofsverwaltung die Pflege der Anlage verantwortet; die Ludwig-Geissler-Schule in Hanau, deren Berufsschüler in regelmäßigen Abständen die Kindersärge herstellen, die den Krankenhäusern zur Verfügung gestellt werden.

Anika Kempf, Lisa Menzel