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Menschen, die Frieden suchen und ihm nachjagen

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Menschen, die Frieden suchen und ihm nachjagen
Ernst von der Recke Friedensaktivisten aus Bonn (ADGF Treffen 2019)

© Matthias Jung

Ernst von der Recke Friedensaktivisten aus Bonn (ADGF Treffen 2019)

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Ernst von der Recke verweigerte den Kriegsdienst, machte stattdessen über "Aktion Sühnezeichen Friedensdienste" (ASF) einen Zivildienst bei der Mennonitischen Kirche in den USA. Seitdem engagiert sich Ernst von der Recke in der Friedensarbeit. Er ist überzeugt: "Gerechter Friede ist versöhnte Vielfalt". Die Prima Ratio lernte er von Menschen mit Behinderung. "Sie lehrten mich, was wichtig und wertvoll ist im Leben." Ernst von der Recke ist Mitglied der Lebensgemeinschaft Laurentiuskonvent, die für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung eintritt. Verschiedene Erlebnisse spornten von der Recke an, sich für Frieden und Versöhnung einzusetzen: Zum Beispiel der Mauerbau 1961, der seine Familie trennte. Oder 1967 das Quäker-Work-Camp in Wales. Den Kontakt hatte eine Freundin seiner Mutter hergestellt, die mit Hilfe der Quäker dem Holocaust entkam. Die größte Herausforderung heute? "Herzen voller Liebe und Gütekraft", sagt Ernst von der Recke.

Charlotte Eisenberg

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Sie wollte die Welt sehen. Und dabei etwas Gutes tun. Mit EIRENE machte Charlotte Eisenberg einen Friedensdienst in Irland. Das war vor 19 Jahren. Seitdem engagiert sich die Frankfurter Pfarrerin in der Friedensarbeit: "Mich fasziniert vor allem die Frage, wie man mit Konflikten gut umgehen und sie konstruktiv nutzen kann." Charlotte Eisenberg macht die Erfahrung, dass selbst kleine Schritte schon viel gegen Rassismus, gesellschaftliche Trennung und für Frieden bewirken können. Ihr schönstes Erfolgserlebnis in der Friedensarbeit: Wie sie dazu beitragen konnte, in Berlin eine ghanaische und eine deutsche Kirchengemeinde zusammenzubringen. "Heute nutzen sie gemeinsam Räume, feiern und essen zusammen und planen ihre Gemeindearbeit gemeinsam." Als Herausforderungen für die Friedensarbeit betrachtet die Pfarrerin die weltweite Sehnsucht nach "starken Männern" und die drohende Klimakatastrophe. "Beides setzt Gewalt aus sich heraus und behindert ein friedliches Zusammenleben."

Wolfgang Max Burggraf, Friedensaktivisten  aus Bonn (ADGF Treffen 2019)

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Seine erste Demo war 1986. Als US-Bomben auf Libyen fielen, ging Wolfgang Max Burggraf auf die Straße, um gegen die Nato zu demonstrieren. Heute nimmt er jedes Jahr an der Blockadeaktion "Bonn goes Büchel" teil. Pazifistischer Widerstand kann mitten in der Kirche verortet sein. Das hat Burggraf bei den Franziskanern gelernt. Für den Orden arbeitete er 22 Jahre, baute deren Menschenrechts- und Nord-Süd-Arbeit auf. "Heute ist Friedensarbeit vor allem SeniorInnen-Arbeit", findet Burggraf. "Es geht darum, Menschen in ihrem Verdienst im Friedensengagement früherer Jahrzehnte einen Platz zu geben, der junge AktivistInnen nicht blockiert, sondern diese stützt." Die größte Herausforderung heute ist für Burggraf die Erkenntnis: "Nicht nur die Generation ABBA hat versagt, sondern auch die Generation BOB DYLAN." Denn: Die Jahre nach den Weltkriegen mögen aus mitteleuropäischer Sicht Friedensjahre gewesen sein. Doch gesamtökologisch betrachtet waren sie auf andere Weise zerstörerisch und tödlich, so Burggraf: "Das sagen uns Alten die AktivistInnen von heute klar ins Gesicht."

Edina Geric

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"Meine Kindheit habe ich im Krieg verloren", sagt Edina Gerzić. Sie kommt aus Bosnien und Herzegowina. Mit EIRENE engagiert sie sich als internationale Freiwillige in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung in Neuwied. In der Friedensarbeit engagiert sich Edina Gerzić seit fünf Jahren in Bosnien und in Deutschland. Ihre größte Motivation: "Ich will Kindern und Jugendlichen zeigen, wie wichtig Frieden für das Leben und die Erinnerung ist." Besonders eindrucksvoll war für Gerzić ein Projekt an ihrer Universität, das sie mit organisierte: Im "Lebenden Museum" erzählten ehemalige Soldaten der Jugoslawienkriege Jugendlichen und Studierenden ihre Geschichten. Dabei geht es auch um die Erkenntnis, dass Unterschiede zwischen Menschen kein Nachteil, sondern eine Bereicherung sind. All die Blicke voller Hoffnung, sind für Edina Gerzić bei dem Projekt ein schönes Erfolgserlebnis gewesen. "Wir müssen den Menschen Werte vermitteln, die im Leben wirklich wichtig sind", sagt sie. Für Edina Gerzić ist das die größte Herausforderung in der Friedensarbeit.

Hauke Steg

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Er verweigerte den Kriegsdienst. Stattdessen reiste Hauke Steg 1999 in die USA und machte einen "Anderen Dienst im Ausland". "Für mich war früh klar, das ein Dienst an der Waffe das Gegenteil von dem ist, wie ich mir eine friedliche Welt vorstelle", sagt Hauke Steg. Den Freiwilligendienst vermittelte ihm EIRENE. Seitdem engagiert er sich für den Internationalen Christlichen Friedensdienst und ist seit 2019 Mitglied des Vorstands von EIRENE. Aus der Verweigerung und dem Freiwilligendienst mit EIRENE ist ein langfristiges Handeln geworden, "weil ich erkannt habe, dass Frieden nur durch aktives Handeln und nicht durch Passivität zu erreichen ist", sagt Steg. Das ist für ihn zugleich die größte Herausforderung in einer Welt, die in vielerlei Hinsicht droht aus den Fugen zu geraten: "Wir müssen Brücken zwischen Menschen bauen, die sich mit Misstrauen oder Feindseligkeit begegnen – oder eben nicht mehr begegnen", sagt Hauke Steg. Er ist überzeugt: "Wo sich Menschen mit Offenheit und Neugier für die tieferen Bedürfnisse Anderer begegnen, kann Verbindung und Verständnis entstehen, woraus ein positiver Frieden wachsen kann."

Bilal Almasi

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In Syrien musste Bilal Al Masri vor dem Krieg flüchten. In Deutschland arbeitet er für den Frieden. Ihm ist es wichtig, mit und für Menschen zu arbeiten. Bilal Al Masri ist von Beruf Lehrer. In Syrien unterrichtete er Kinder in Englisch. Auch für UNICEF arbeitete er einige Zeit an einer Schule. Seit März 2018 engagiert sich Bilal Al Masri bei EIRENE im Projekt "Starke Nachbar_innen". Ziel des Projekts ist es, das friedliche Zusammenleben von Einheimischen und geflüchteten Menschen zu fördern. Dabei geht es darum, Konflikte zu lösen, die Integration behindern. "Wir schaffen Räume, wo Menschen sich mit unterschiedlichen Kulturen treffen und austauschen können", sagt Al Masri. Er ist überzeugt: Vertrauen schafft Frieden."Die größte Herausforderung in der Friedensarbeit ist es, das Vertrauen der Menschen zu gewinnen", sagt Bilal Al Masri.

Dagmar_Pruin, Friedensaktivisten  beim ADGF Treffen 2019 in Bonn

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Begegnungsarbeit ist für Dagmar Pruin ein wesentlicher Teil der Friedensarbeit. Die Geschäftsführerin von "Aktion Sühnezeichen Friedensdienste" (ASF) engagiert sich seit 1988 für Frieden. Als Schülerin organisierte sie gemeinsam mit weiteren Engagierten eine Begegnungswoche von "ehemaligen jüdischen Mitbürgern" und den Menschen in ihrem ostfriesischen Heimatstädtchen. Es war eine prägende Erfahrung für die evangelische Theologin. "Ich bin sehr ein Kind meiner Zeit", sagt sie: Nato-Doppelbeschluss, die Angst vor einem Atomkrieg, sie las Jugendbücher über den Nationalsozialismus. All das motivierte sie, sich in der Friedensarbeit zu engagieren. Der Rechtsruck in Europa - und insbesondere in Deutschland - macht Dagmar Pruin Sorgen. "Wie wir darauf mit allen unterschiedlichen Stimmen der Friedensbewegung reagieren und ihm mit aller Kraft entgegentreten, ist die Herausforderung schlechthin."

Horst-Peter Rauguth

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Die Friedensarbeit ist für Horst-Peter Rauguth eine Lebensaufgabe. Der katholische Diakon aus Saarbrücken ist seit 1979 bei Pax Christi engagiert. Der Nato-Doppelbeschluss vom 12. Dezember 1979 rüttelte ihn auf: "Seitdem engagiere ich mich gegen den Krieg." Persönlich und beruflich: Im Bistum Trier war er als Berater für Kriegsdienstverweigerer tätig. Ein großer Erfolg der Friedensbewegung ist für Rauguth der Abzug der amerikanischen Mittelstreckenraketen Mitte der 1980er Jahre. Besonders wichtig sind ihm die vielen kleinen Erfolgserlebnisse, die er in persönlichen Gesprächen und in seiner früheren Beratungstätigkeit festgestellt hat. "Denn die größte Herausforderung ist heute, Menschen wieder für das Thema Frieden zu gewinnen."

Christine Busch, Friedensaktivisten  aus Bonn (ADGF Treffen 2019)

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Droht 30 Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges ein neues atomares Wettrüsten? Diese Gefahr stellt eine große Herausforderung dar, sagt Christine Busch. Die Vorsitzende der "Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden" (AGDF) ist seit den 1980er Jahren in der Friedensbewegung engagiert. Bis 1987 lebte sie in West-Berlin. An dieser Nahtstelle der politischen Machtblöcke war damals die These vom "Gleichgewicht des Schreckens" in ihrem Umfeld hoch umstritten. Ein wichtiger Impuls, sich in Verbindung mit der Frauenbewegung für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen, war für sie das Politische Nachtgebet. Später dann auch die Boykott-Aktion "Kauft keine Früchte der Apartheid". "Sich für Frieden und Gerechtigkeit zu engagieren bedeutet, Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen und einen gewaltfreien Beitrag zu ihrer Erneuerung zu leisten." Für Christine Busch stehen Klima und Frieden in einem engen Zusammenhang: "Der Klimawandel gefährdet menschliche Lebensgrundlagen und verstärkt Konflikte."

Rüdiger Lancelle, Friedensaktivist in Büchel

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Seit 1995 ist Rüdiger Lancelle in der Friedensbewegung engagiert. Es war das Jahr, als der Lehrer von einem zehnjährigen amerikanischen Schüler erstmals hörte, dass in Büchel Atombomben des US-Militärs lagern sollen. Lancelle war schockiert. Seit 1967 lebte er in Cochem an der Mosel. Erst jetzt erfuhr er von einem Schüler, dass in dem nur zehn Kilometer entfernten Büchel Massenvernichtungswaffen lagern. Seitdem engagiert er sich vor Ort. Und er schätzt insbesondere auch die kleinen Erfolge. Zum Beispiel schenkte ihm ein Moselwinzer eine Kopie der Hiroshima-Glocke. Die steht jetzt in Büchel auf der Friedenswiese vor dem Fliegerhorst und läutet zu besonderen Anlässen. Lancelle sieht es als eine wichtige Aufgabe an, unermüdlich gegen die Atomwaffen in Büchel zu protestieren. "Die Gesellschaft darf die atomare Gefahr nicht ignorieren."

Jan Gildemeister, Friedensaktivisten  aus Bonn (ADGF Treffen 2019)

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Frieden als Beruf(ung): Jan Gildemeister ist seit 2000 Geschäftsführer der "Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden" (AGDF). In der Friedensbewegung ist er seit 1980 aktiv, war in Schule und Kirchengemeinde friedenspolitisch engagiert. "Die Folgen des Zweiten Weltkriegs waren in meiner Familie sehr präsent", sagt Gildemeister. "Wir waren uns einig: Krieg darf nie wieder sein und Deutschland muss eine friedliche Rolle in der Welt spielen." Friedensarbeit wirkt, Versöhnung ist möglich - davon ist Gildemeister überzeugt: "Es gibt weltweit viele Initiativen, die dazu beitragen, dass Krisen verhindert und Konflikte gewaltfrei bearbeitet werden", weiß Gildemeister. "Leider kommen erfolgreiche Geschichten selten in die Medien." Darin sieht er zugleich eine große Herausforderung für die Friedensarbeit: "Trotz Fake News und Informationsschwemme positiv vermitteln und erfahrbar machen, dass Frieden nur auf gewaltfreien Wegen gelingen kann. Und wir alle dazu einen Beitrag leisten können - und sollten."

Annegret Klasen aus Maifeld bei Mayen demonstriert am 7. Juli 2019 beim kirchlichen Aktionstag am Fliegerhorst Büchel

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Annegret Klasen aus Maifeld bei Mayen demonstriert am 7. Juli 2019 beim kirchlichen Aktionstag am Fliegerhorst Büchel gegen Atomwaffen. In der christlichen Friedensbewegung engagiert sie sich seit fünf Jahren. Doch das Thema liegt ihr schon länger am Herzen - seit dem Nato-Doppelbeschluss und den Friedensdemonstrationen in den frühen 1980er Jahren. Was sie in ihrer Kirchengemeinde vermisst, sind Gespräche rund ums Thema Frieden. Daher engagiert sie sich lieber bei den Mahnwachen vor dem Fliegerhorst der Bundeswehr, wo vermutlich Atomwaffen des US-Militärs lagern. "Ein sehr schönes Erlebnis war das erste Friedensfest in Büchel, als die gesamte Kirchengemeinde und das Presbyterium hinkamen", sagt Klasen. Die Proteste gegen Atomwaffen müssen weitergehen, ist Klasen überzeugt: "Die Mächtigen dürfen nicht anfangen zu glauben, dass mit neueren Atomwaffen begrenzte Einsätze möglich sind."

Ulrich Frey, Friedensaktivist in Bonn (ADGF Treffen 2019)

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Die Folgen von Krieg und Gewalt hat Ulrich Frey selbst erlebt. Der gebürtige Schlesier kam als Flüchtlingskind in die alte Bundesrepublik. Zunächst nach Niedersachsen, von dort über Hamburg ins Rheinland. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm eine Szene auf dem Prager Hauptbahnhof. Es war um den 8. Mai 1945, Ulrich Frey war acht Jahre. "Unsere Familie war Hass und Bedrohung ausgesetzt." Erlebnisse wie diese waren für Ulrich Frey Antrieb, sich mit Friedensfragen zu beschäftigen. Seit 1953 ist er in der Friedensarbeit aktiv. Er engagierte sich für internationale Workcamps, im Entwicklungsdienst, war von 1972 bis 2000 Geschäftsführer des evangelischen Friedensverbands "Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden" (AGDF). "Friedensarbeit lohnt sich und ist wichtig, um etwas gegen Not, Gewalt und Unfreiheit zu tun", sagt Ulrich Frey. Als größte Herausforderung sieht er heute die Klimakrise an.

Günter Wimmer, Friedensaktivist in Büchel.

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Die Aktivisten von "Ende Gelände" und die "Fridays for Future"-Bewegung begeistern Günter Wimmer. Der Münchner sieht es auch als einen Erfolg der Friedensbewegung an, dass junge Menschen jetzt wieder den Faden aufgreifen und dafür kämpfen, dass eine andere Welt möglich ist. Wimmer ist seit den frühen 1980er Jahren in der Friedensbewegung aktiv. Er protestierte in Mutlangen gegen die Stationierung von Pershing-II-Raketen. In Wackersdorf demonstrierte Wimmer gegen die atomare Wiederaufbereitungsanlage. "Ich erlebte die Realität vor Ort und bekam in den Medien und in Aussagen der Politiker ein gegensätzliches Bild vermittelt", erzählt Wimmer. Seitdem versucht er sich so gut es geht, selber vor Ort ein Bild von politischen Situationen zu machen. "Sei es in Israel und Palästina oder bei den Braunkohle-Protesten im Rheinland." Dass viele heute denken, man könne sowieso nichts erreichen, ist für Wimmer die größte Herausforderung: "Die Menschen sollten nicht so leicht in Resignation verfallen."

Antje Heider-Rottwilm

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Das Einstehen für Frieden und Gerechtigkeit ist für Antje Heider-Rottwilm eine Lebensaufgabe. "Die Frauen -, Friedens-, Versöhnungs- und Menschenrechtsarbeit liegen mir sehr am Herzen." Dafür setzte sich die Theologin zeitlebens ein - ob als Studierendenpastorin, Leiterin der Europaabteilung der EKD oder seit 2009 als Vorsitzende des ökumenischen Netzwerks "Church and Peace". "Eigentlich begann es, als ich in der Schule Mitte der 1960er Jahre immer mehr über Faschismus, Holocaust und die Gräuel des Zweiten Weltkriegs erfuhr und eine Biografie über Dietrich Bonhoeffer las", erzählt Heider-Rottwilm. Für sie gibt es keine Alternative, als sich unaufhörlich gegen Gewalt und Militarisierung zu engagieren und sich für gewaltfreie Konfliktlösungen einzusetzen. Ein Umdenken ist nötig: "Klimagerechtigkeit, Abrüstung, Demilitarisierung der Politik, eine andere Ökonomie, eine andere Landwirtschaft ... wir wissen doch, was dringend notwendig ist", sagt Heider-Rottwilm. "Das Notwendige wird aber nur dann geschehen, wenn jede und jeder von uns alles ihr oder ihm Mögliche tut."

Berthold Keunecke

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Am Anfang war die Angst vor einem Atomkrieg. Berthold Keunecke engagiert sich seit 1980 in der christlichen Friedensbewegung. Es war die Zeit des Wettrüstens. Mit der Friedensgruppe seiner Kirchengemeinde demonstrierte er gegen Mittelstreckenraketen in Europa. Als Keunecke den Kriegsdienst verweigerte, setzte er sich intensiv mit der Frage von Krieg und Frieden auseinander. "Ich habe mich mit gewaltfreien Alternativen beschäftigt und sie in vielen Aktionen praktiziert", erzählt der heutige Pfarrer der evangelischen Emmausgemeinde in Herford. "Die Erfahrung, gewaltfrei Druck ausüben zu können, stärkte mich." Sein schönstes Erfolgserlebnis: Die musikalische Besetzung des Bombenabwurfplatzes bei Wittstock mit der Chor- und Orchestergruppe "Lebenslaute". Bald darauf, 2011, wurde der Truppenübungsplatz der Bundeswehr geschlossen. "Die größte Herausforderung sehe ich in einem gesamtgesellschaftlichen Umdenken", sagt Keunecke. Die herrschende Kriegslogik, die von Angst und Abwehrdenken bestimmt ist, muss ersetzt werden. Und zwar durch einen friedenslogischen Politikstil, der auf vertrauensbildende Maßnahmen und Zusammenarbeit setzt.

Elke Koller, Friedensaktivistin in Büchel

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Sie wohnt drei Kilometer vom Fliegerhorst Büchel entfernt. Seit 1996 engagiert sich Elke Koller gegen Atomwaffen. Die Apothekerin im Ruhestand ist mit der Forderung "Nie wieder Krieg" aufgewachsen. "Nun erlebe ich mit Schrecken, dass es doch wieder Aufrüstung und Kriegsvorbereitungen gibt", sagt Koller. Sie freut sich über die zahlreichen Menschen, die gegen US-amerikanische Atomwaffen auf dem Fliegerhorst in der Eifel demonstrieren. Bewegend war der Moment, als sie im September für den "Initiativkreis gegen Atomwaffen in Büchel" den Aachener Friedenspreis entgegennehmen durfte. Elke Koller hat den Eindruck: 70 Jahre Frieden in Europa wurden allzu selbstverständlich. "Wir müssen die Menschen überhaupt erst mal für die Bedrohung unseres Friedens sensibilisieren", sagt sie: "Frieden muss immerzu bewahrt und gehütet werden."

Sabrina Carrasco Heiermann

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Erst Menschenrechte, dann Friedensarbeit. Sabrina Carrasco Heiermann studierte ab 2006 interdisziplinär Menschenrechte und arbeitete für verschiedene Menschenrechtsorganisationen. 2015 ging sie als Friedensfachkraft für EIRENE für zwei Jahre nach Bolivien. Sie stellte fest, dass sie die klassische Menschenrechtsarbeit eher frustrierte. Denn häufig bleiben Fronten verhärtet und Feindbilder bestehen, war ihre Erfahrung. Ganz anders die Friedensarbeit: "Durch das Bearbeiten von Konflikten wird Raum für Begegnungen geschaffen", sagt Heiermann. "Über viele Unterschiede hinweg werden soziale Konflikte und Ungerechtigkeiten reflektiert und analysiert." Was sie daran schätzt: "Mit einer Vielfalt an Köpfen, Herzen und Händen können mögliche Wege und Lösungen entwickelt und ausprobiert werden." Ihr schönstes Erfolgserlebnis hatte sie in Bolivien: Gemeinsam mit einer Kollegin und Lehrerinnen entwickelte sie Spiele und Methoden, die den friedlichen Umgang mit Konflikten und das Umsetzen von Menschenrechten im Schulalltag erleichtern sollen. "Daraus sind ein Handbuch und ein wunderschöner Spielekoffer entstanden", erzählt Heiermann: "Wenn wir gemeinsam kreativ werden, entstehen immer spannende Wege."

Horst Scheffler

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"Gewalt, Terror und Krieg sind ständige Bedrohungen, denen immer wieder von Neuem zu widerstehen ist", sagt Horst Scheffler. Das Engagement für Frieden ist wichtig, "weil Gerechtigkeit, Frieden und Schöpfungsbewahrung nie endgültig gesichert sind." Den Pfarrer im Ruhestand beschäftigt die Problematik von Frieden und Krieg seit der Schulzeit. Als Schüler stand er im Briefwechsel mit der Mutter des Schriftstellers Wolfgang Borchert. Als Student war er gegen die Notstandsgesetze (1968) aktiv. Für den Dialog zwischen Friedensbewegung und Bundeswehr setzte er sich als Militärseelsorger ein. Zehn Jahre engagierte sich Scheffler als ehrenamtlicher Vorsitzender der "Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden" (AGDF). "Die größte Herausforderung heute ist die Veränderung des Weltklimas", sagt Scheffler. Konflikte zeichnen sich ab, die zu Kriegen führen könnten. "Dringend erforderlich ist eine gemeinsame und weltweit verantwortete Friedens- und Entwicklungspolitik für zivile und gewaltfreie Konfliktlösungen."

Warum mir das 2019 wichtig war - Anika Kempf, Foto-Redakteurin bei evangelisch.de: Diese Fotogalerie ist ein "Best of 2019", da der Fotograf Matthias Jung über einen langen Zeitraum charismatische Portraits von mehreren Friedensaktivisten gemacht hat. Diese geben eine Bandbreite wieder: von "Spontis", die sich seit Beginn der Friedensbewegung engagieren bis zu jungen Friedensaktivisten. So hatte er die die Vielfalt der Friedensbewegung eingefangen. Die großformatigen Fotos und dazugehörigen Texte, die zusätzlich auf der Synode der EKD in Dresden in einer Onlineausstellung zu sehen waren, riefen ein lebendiges Echo hervor und rückten das Thema Frieden in den Alltag.

Dieser Beitrag wurde bereits am 1.11.2019 veröffentlicht.

Für diese Menschen ist die Jahreslosung 2019 ein Lebensmotto: "Suche Frieden und jage ihm nach"  (Psalm 34,15). Fotograf Matthias Jung hat Frauen und Männer getroffen, die auf eine friedlichere Welt hinwirken. Ob bei einem Studientag der "Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden". Oder beim kirchlichen Aktionstag in Büchel, wo der friedliche Protest gegen Atomwaffen mit dem Aachener Friedenspreis 2019 gewürdigt wurde. Fest zum Internationalen Friedenstag am 20. September beim Friesdensdienst Eirene in Neuwied, deren Mitarbeiter Freiwilligendienste in alle Welt vermitteln. Was bewegt Christinnen und Christen, die sich in der Friedensarbeit engagieren? Was motiviert sie? Wo sehen sie die größten Herausforderungen? In einer Galerie stellen wir Menschen vor, die sich unermüdlich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen. Frieden war auch das Schwerpunktthema der EKD-Synode im November 2019 in Dresden.