Ist die Taufe wirklich eine Garantie für Gottes Zuwendung?

Taufbecken

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Die Taufe ist kein Schutzzauber.

Ist die Taufe wirklich eine Garantie für Gottes Zuwendung?
Bedeutet die Taufe tatsächlich, dass man mit ihr automatisch Gott näher ist? Steht ein Täufling gar unter einem besonderen Schutz Gottes?

Gott gibt keine Garantien. Niemand kann sich Gott durch irgendwelche Beschwörungen oder Zauberhandlungen verfügbar machen. Auch die Taufe ist kein solcher Akt, sondern ein symbolisches, von Worten begleitetes Geschehen, dem, wie Philipp Melanchthon es nannte, "eine Verheißung der Gnade beigefügt ist". Was aber soll das genau heißen? Und warum werden Christen überhaupt getauft?

Zur Zeit Jesu rief Johannes der Täufer, ein kauziger Wüsteneremit, die Menschen zur Umkehr, da das Gericht Gottes nahe bevorstehe. Er taufte die Menschen im Jordan "zur Buße und Vergebung der Sünden." (Markus 1,4) Auch Jesus hat sich von ihm taufen lassen. "Ich taufe euch mit Wasser; aber er wird euch mit dem Heiligen Geist taufen." (Markus 1,8), soll Johannes gesagt haben. Wasser ist in vielen Religionen ein Symbol der Reinigung und des Neuanfangs. Die Taufe des Johannes war aber etwas neues, etwas anderes als traditionelle rituelle Waschungen. Sie wurde von einem dritten ausgeführt, sollte der Sündenvergebung dienen und ein Zeichen der Umkehr und der Neuorientierung des Lebens sein.

Jesus selbst taufte nicht, aber dennoch gehörte die Taufe von Beginn an zum Christentum. Durch die Taufe wurden Menschen in die Gemeinde aufgenommen. Dazu mussten sie natürlich erst einmal etwas über den christlichen Glauben und das christliches Leben lernen. Die Täuflinge wurden daher gründlich darauf vorbereitet und sprachen bei der Taufe eine Bekenntnisformel, die die wichtigsten Glaubensinhalte zusammenfasste. Lange Zeit war die Taufe also etwas, wozu sich erwachsene Menschen ganz bewusst entschieden. Man wandte sich Gott zu und entschied sich für ein Leben in der Nachfolge Jesu Christi, das vorherige Leben wurde abgelegt und die bisherigen Sünden vergeben. "Christus anziehen" (Galater 3,27) nannte Paulus das; es bedeutete für ihn, dass man sich damit auch verpflichtete, von nun an entsprechend verantwortlich und im Sinne des Heiligen Geistes zu leben, den man in der Taufe empfangen hatte.

Als das Christentum im fünften Jahrhundert zur Staatsreligion wurde und man im Zuge der Missionierungen immer wieder ganze Familien taufte, begann der Gedanke der bewussten Umkehr in den Hintergrund zu rücken. Zunehmend wurden Menschen schon ganz zu Beginn ihres Lebens getauft. Nun ging es vor allem darum, deutlich zu machen, dass das Kind von Gott angenommen sei. Martin Luther jedoch stellte später klar, dass die Taufe nicht allein durch den Taufakt wirksam werde. Eine Kindertaufe könne nur eine Verheißung sein, die später bewusst im Glauben angenommen werden müsse.

Taufe bedeutet heute also zunächst einmal, dass der Täufling den Heiligen Geist, also Lebenskraft, empfängt. Das soll allerdings nicht heißen, dass er nun eine besondere Qualität verliehen bekommt oder dass er sich von Nichtgetauften durch einen Schutzzauber irgendwie unterscheidet. Es heißt eher, dass sein Leben sich für Gott öffnet. Nirgends steht geschrieben, dass ein Christ unbedingt getauft sein muss. Die Taufe ist also weder Bedingung für die Zuwendung Gottes noch kann man diese damit irgendwie erzwingen. Gott wendet sich allen Menschen zu, sie brauchen sich nur ihm zuzuwenden und sich für ihn zu öffnen. Der ursprüngliche Gedanke der Umkehr und bewussten Annahme der Zusage Gottes sollte also auch weiterhin mitgedacht werden. Gott nimmt die Menschen an, das macht die Taufe sichtbar und erfahrbar. Eine Garantie für ein besseres Leben oder einen näheren Platz bei Gott ist sie nicht.

Infos zur Serie
Mit ironischem Augenzwinkern räumt der Theologe Uwe Birnstein mit Vorurteilen auf, die es über das Christentum gibt. Dabei seziert er Irrtümer, die es über die Bibel, Kirchengeschichte, Konfession und dem christlichen Leben gibt.

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