Ministerpräsident und Landesbischof warnen vor Rechtspopulismus

Epiphanias-Empfang der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover

© Holger Hollemann/dpa

Wilfried Bernhard Theising (l-r), Weihbischof in Münster und Offizial des Offizialatsbezirks Oldenburg mit Sitz in Vechta, Horst Hirschler, Abt des Klosters Loccum, Stephan Weil (SPD), Ministerpräsident von Niedersachsen, und Ralf Meister, Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover, beim Epiphanias-Empfanges der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover in der Klosterkirche.

Ministerpräsident und Landesbischof warnen vor Rechtspopulismus
Beim Epiphanias-Empfang der Landeskirche mahnen die Hauptredner mehr Engagement für die zentralen Werte der westlichen Gesellschaft an. Gleichzeitig raten sie zu mehr Augenmaß: Manche Sorge werde medial überhöht. Die Mehrheit stehe für Demokratie.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und der hannoversche Landesbsichof Ralf Meister haben zu mehr Engagement für die Demokratie, für Europa und gegen Rechtspopulismus aufgerufen. Die überragende Mehrheit der Bevölkerung stehe für einen starken demokratischen Staat und für eine starke Zivilgesellschaft, sagte Weil beim 69. Epiphanias-Empfang der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers am Sonntag im Kloster Loccum bei Nienburg.

Der Ministerpräsident verwies dabei auf den Hashtag #wirsindmehr, der sich im vergangenen Sommer nach den rechtsmotivierten Ausschreitungen von Chemnitz in den sozialen Netzwerken gebildet hatte. Dennoch drohe ein unverkennbarer Rechtsruck in Europa viele Errungenschaften in Frage zu stellen, warnte Weil vor rund 130 Gästen aus Landespolitik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft. Er rief die Bürger dazu auf, "mit aller Kraft" für die Demokratie und für Europa einzutreten und zu kämpfen.



Landesbischof Meister warnte angesichts der Vorfälle in Amberg und Bottrop davor, dass rechte Parteien die Sorgen der Bürger für ihre Zwecke ausnutzen könnten. Die sozialen Netzwerke und die Medien verstärkten die Ängste durch ihre Berichterstattung um ein Vielfaches, kritisierte Meister. Er bezog sich auf den Angriff jugendlicher Asylsuchender auf Passanten im oberpfälzischen Amberg und die Tat eines 50-jährigen Deutschen in Bottrop, der mit seinem Auto gezielt Gruppen mit Ausländern rammte.

"Die Aufmerksamkeit, die auf Attentäter, Kriminelle, Irregeleitete und auf ihre Taten gelenkt wird, ist unerträglich. Jede blutige Sekunde ist rund um den Erdball verfolgbar", sagte der evangelische Theologe und ergänzte: "In der Erregungskultur der sozialen Medien wird eine Messerstecherei schnell zum Terroranschlag, ein Amoklauf zum Vorboten eines Weltuntergangs, ein Attentäter weckt Schläfer".

Umso wichtiger sei es, von der Sorge zum Hoffen und Handeln zu kommen. "Es liegt an uns, unserer Hoffnung eine sichtbare Gestalt zu geben, indem wir jeden Tag handeln", sagte Meister. Dabei komme es auch darauf an, "die Weiterentwicklung Europas konstruktiv und kritisch zu begleiten".

Die Landeskirche lädt seit 69 Jahren Repräsentanten des öffentlichen Lebens zum Jahreswechsel zu dem Empfang in das mehr als 850 Jahre alte Zisterzienserkloster ein. Der frühere Landesbischof Hanns Lilje (1899-1977) hatte 1950 nach seiner Wahl zum Abt zu Loccum erstmals zum "Empfang zwischen den Jahren" gebeten.

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