Vom Sehnen und Suchen

Hanna Buiting holt mit "Vom Sehnen und Suchen" ein Stück Himmel auf die Erde. Sie schreibt jede Woche über Alltag und die Spiritualität, die man dort finden kann.

Von unterwegs gesendet

Von unterwegs gesendet
Eine Mailsignatur mit mehr als einer Bedeutung...

Manchmal lese ich unter Mails den Zusatz: "Von unterwegs gesendet". Wie eine Signatur. Wie ein Gruß. Wie eine Ortsangabe. Er zeigt an: Hier schreibt mir jemand auf Reisen, aus der S-Bahn, vom Flughafen. Mails beantworten, das geht längst nicht mehr nur an einem festen Büroplatz und längst nicht nur montags bis freitags. Mails zu schreiben, das ist fast immer und überall möglich. Unterwegs sind wir ständig.

Neulich las ich diese Worte wieder und mit einem Mal ließen sie mich schmunzeln, weil man diese Aussage mehrdeutig verstehen kann. "Von unterwegs gesendet" – Was, wenn das nicht nur für Mails gilt?

"Senden", das ist ein sehr altes und zugleich sehr neues Wort. Wir nutzen es heute als Synonym für "verschicken". Eine Mail, einen Brief, ein Päckchen. Es braucht Sender und Empfänger. Und wir alle kennen Momente von "Unbekannt verzogen" oder "Sendung geht zurück an Absender". In einem herkömmlichen Sinne bedeutet "Senden" auch: einen Auftrag haben, eine Aufgabe, eine Mission. Und besonders im christlichen Sprachgebrauch ist "Sendung" kein Fremdwort. Das Alte Testament erzählt von Propheten, Boten und Gesandten. Sie alle verkünden Botschaften. Im Neuen Testament werden diese Botschaften froh: Sie berichten von Jesus Christus, Sohn Gottes, Gesandter und Sender zugleich. Und durch Jesu Leben, Tod und Auferstehung sind auch Christinnen und Christen bis heute beauftragt, diese frohen Botschaften weiterzutragen. Wir sind gesendet. Unser Auftrag lautet: Verkündet Gott. Dort, wo ihr gerade seid. Unterwegs durchs Leben. Entdeckt ihn in eurem Alltag, in eurem Gegenüber, in euch selbst. Teilt Brot und Botschaft. Feiert die Liebe. Fürchtet nicht den Tod. Glaubt und hofft und tut das nicht bloß allein. Seid Nachbarin und Nächster. So soll es sein.

Und das ist die Mehrdeutigkeit, die ich mit einem Mal in dieser schlichten Mailsignatur entdecke: "Von unterwegs gesendet". Senden, die frohe Botschaft, die gute Nachricht, leben und teilen, das kann ich immer und überall. Unterwegs durchs Leben. Dort, wo ich gerade bin. Denn ich hab mich immer selbst dabei. Und so auch meinen Glauben, meine Liebe, meine Hoffnung. Das ist nicht immer leicht. Manchmal scheint die Verbindung zwischen Sender und Empfänger gestört zu sein, da bin ich voller Zweifel und fast scheint es, als gäbe es auch dabei solch ein "Unbekannt verzogen" oder "Sendung geht zurück an Absender". Aber dann gibt es auch wieder reichlich reichmachende Momente, da schreibt sich mir die Botschaft tief ins Herz und ich kann nicht anders, als sie weiterzutragen. Und dafür brauche ich nicht mal Free-WiFi.

weitere Blogs

Nach den Morden von Christchurch: Die Reaktionen von Facebook und YouTube und was wir jetzt tun können.
Digitalradio-Anhänger sprühen vor Optimismus und haben auch ganz gute Gründe, bis hin zur Ökologie. Doch die analoge Ultrakurzwelle feiert bei guter Gesundheit Geburtstag. Und ausgerechnet die Auto-Hersteller sind keine ganz großen Fans des neuen Standards DAB+.
Sich auf den Namen Christi zu berufen ist Privileg und Verpflichtung zugleich. Die CDU nimmt dieses Privileg durch ihrem Parteinamen in Anspruch, doch der entwürdigende Umgang, den einige ihrer Spitzenpolitiker_innen derzeit mit intersexuellen Menschen an den Tag legen, ist mit der Verpflichtung zur Nachfolge Jesus Christi nicht vereinbar.
Heute ist der weltweite Aktionstag von #FridaysForFuture. Was sagen eigentlich die Kirchen dazu?