Siehe, dein König kommt zu dir, arm und reitet elektrisch

Siehe, dein König kommt zu dir, arm und reitet elektrisch
Die Tierschutzorganisation PETA machte für den Einzug Jesu einen ungewöhnlichen Vorschlag

Tochter Zion, freue dich! Was für ein wunderbares Adventslied mit dieser berührenden Melodie von Georg Friedrich Händel. Dabei würde der Text doch eigentlich eher zu Ostern, genauer gesagt: zu Palmsonntag passen, denn die Erzählung von Jesu Einzug in Jerusalem bezieht sich auf diesen Text aus Sacharia 9,9:

Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf dem Füllen einer Eselin.

Der Einzug in Jerusalem: Der Beginn einer außergewöhnlichen Woche, der letzten Woche Jesu vor seiner Kreuzigung. So erzählt es Matthäus in seinem Evangelium. Innerhalb einer Woche vom gefeierten Helden, dem die Menschen Palmblätter zu Füßen legen, hin zum Verbrecher am Kreuz – und wiederum zum Auferstandenen, der der Welt neue Hoffnung bringt. Was für eine Geschichte! Was für eine Entwicklung vom ersten Tag bis zum letzten!

Die Passionsgeschichte wird immer wieder erzählt. Nachgespielt. Interpretiert. Immer wieder auch bei Passionsspielen, so wie in Oberammergau. Dort zieht Jesus normalerweise auf einem echten Esel auf der Bühne ein.

Nun hat die Tierschutzorganisation PETA sich dieses Esels angenommen. In der Tat kann man fragen, ob es artgerechte Haltung sein kann, wenn ein Esel auf einer Bühne einen Menschen herumträgt. Auch im modernen Theater gibt es normalerweise keine Tiere mehr auf der Bühne. Könnte es nicht auch eine andere Lösung geben? Hat Jesus nicht einfach nur das normale Verkehrsmittel der Leute verwendet – würde er heute noch auf einem Esel reiten? Oder vielleicht eben doch eher … auf einem E-Roller, dem Verkehrsmittel der heutigen Zeit? Man sieht: PETA hat sich durchaus Gedanken darüber gemacht, wie dieses Problem angemessen und modern und auch umweltschonend gelöst werden könnte (mal ganz davon abgesehen, dass trotz aller wichtigen E-Mobilität gerade bei E-Scootern deutliche Fragezeichen zu setzen sind.)

E-Scooter fängt ja sogar mit E und S an, genau wie Esel. Da könnte man doch mit einem kleinen Schreibfehler im Drehbuch …

Nun, ich bin kein Tierexperte, schon gar nicht für Esel. Doch habe ich den Eindruck, dass Esel, wie Pferde auch, schon durchaus einiges ertragen können. Auch anderswo werden sie zur Arbeit eingesetzt – ein kurzer Bühnenauftritt sollte meiner Meinung nach für einen Esel durchaus erträglich sein. Aber an diesem Punkt lasse ich mich gerne eines besseren belehren. Ich bin mir fast sicher, das wird in den Kommentaren geschehen.

Das andere ist: Nein, ich glaube nicht, dass Jesus diesen Einzug heute auf einem E-Scooter machen würde. Denn es geht ja genau darum, zu zeigen; Er ist derjenige, von dem der Prophet Sacharia geschrieben hat. Er ist der, der auf einem Esel reitet. Er ist die Erfüllung der Prophezeiung. Das geht nicht mit einem E-Scooter. Das geht nur mit einem Esel. So sehr wir uns in unseren Predigten darum bemühen, unsere Botschaft aktuell und modern rüberzubringen – diese Aktion wäre zumindest sehr erklärungsbedürftig.

Dass Jesus wenig später deutlich … nennen wir es mal beschönigend: stressigere Situationen erdulden musste als der Esel auf der Bühne, das steht nochmal auf einem anderen Blatt.

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