Spiritus

Spiritus: geistvoll in die Woche

ab wann ist man Christ*in

ab wann ist man Christ*in
Viele glauben an eine Kraft, die einem überall entgegenkommen kann. Die ist sehr groß, und man hat dafür keine Verantwortung. Sowas glauben eine Menge Menschen. Aber deswegen glauben sie noch nicht an einen persönlichen Gott. Wie gehört eins zum anderen?

ab wann ist man Christ*in?

Viele Menschen glauben nicht an einen persönlichen Gott, der sie behütet oder bestraft. Sie können aber etwas Unsichtbares annehmen, das ihnen bei einer Geburt oder in der Natur begegnet. Etwas, auf das sie keinen Einfluss haben, das aber hinter oder in allem wohnt. Dazu jetzt eine kleine Blitz-Historie zur Entstehung von Glauben.

1. Erstmal der Glaube von früher aus der Bibel: Christen sagen: dies "Unsichtbare" hat sich Menschen gezeigt. Es hat auch gesagt, wie es heißt. Zum Beispiel erzählen sich Christen von  einem Wüstenbusch, der brennt und nicht verbrennt. Irgendwie geheimnisvoll. In diesem Flammenbusch hat es  gesagt, wie es heißt: "ich bin da". Das ist auch nicht so richtig konkret. Aber es hatte offenbar eine Stimme. Es hat auch noch mehr gesagt: "ich führe euch." Z.B.  heraus aus einem Leben, wo man nichts zu sagen hat hinein in ein Leben, in dem man mitreden darf. Die sowas hörten, haben vor ca. 4000 Jahren gelebt. Also sehr lange vor uns. Man ahnt: das große Rauschen, das Leben oder was wir ‚Gott' nennen, kümmert sich nicht um Zeiten. Es ist immer gleichzeitig. Und Orte sind ihm auch egal. Zunächst wohnten diese Leute etwa da, wo heute Israel ist. In diese Menge von Menschen  (nämlich das jüdische Volk) ist später Jesus Christus hineingeboren worden. Der hat als Bub am Meer gestanden und auf die Wellen gelauscht. Wurde in die Synagoge mitgenommen. Später hat er seinen jüdischen Katechismus auswendig gelernt und überhaupt geglaubt, was die Eltern oder alle glaubten. Denn damals waren irgendwie alle fromm. Sie haben sich einfach nicht so viel erklären können.

Dann hatte er irgendwann das Gefühl, er solle sich von den Eltern absetzen und in der Synagoge sagen, was alles in ihm passiert war, wenn sich sein Kopf öffnete für die Ankunft von allem auf einmal.  Genau das hat er später dann -  in einem Alter, wo andere Examen machen oder eine Familie gründen -  "Vater" genannt, sogar "seinen" Vater. Das haben ihm die religiösen Führer übel genommen - der Rest ist bekannt. Soweit so gut.

2. Jetzt wie Glaube in uns entstehen kann: Es kann sein, dass man sich in seinem kleinen Leben als spirituell neugieriger Mensch ähnlich wie diese Leute aus der Bibel (damals über viele hunderte von Jahren) entwickelt. Erst ist diese andere unsichtbare Gegenwart überall und hat keinen Namen. Du spürst etwas in der Nähe eines Kirschbaums, wo die Krähen schreien. Oder wenn du in den Keller gehst. Oder bei einem Menschen, der vor Schmerzen schreit. Später fasst es dich vielleicht an und sagt: hier bin ich. Zum Beispiel, wenn du jemanden triffst, der dich liebt. Oder wenn du dein eigenes frisch geborenes Kind im Arm hältst. Oder irgendwo auf dem Bahnhof. Oder in einer Gottesgeschichte aus der Bibel. Es passiert vielleicht auch, wenn du eine unberührte Schneefläche betrittst und etwas in Dir sagt: Sei respektvoll! Manchmal spürt man diese andere Gegenwart wie ein DU. Man kann z.B.  am Meer stehen und hören wie es spricht. Kann sein, dass es sagt: "Ich bin immer schon da und du nur heute. Aus mir kommst du." - oder sowas. Manche nennen das Gott. Andere nennen es gar nicht. Aber wer's merkt, bleibt nicht so wie immer. Irgendwas Neues passiert danach. Manche fragen dann: Was hat mich da angefasst? Dahinter kommt man nicht zurück. Wieso kann die Welle sprechen? Oder der Moment zwischen zwei Akkorden? Wieso redet überhaupt irgendwas mit mir? Wieso redet auf einmal alles mit mir, wenn ich verliebt bin?

So fängt es an. Es greift nach dir. Manche lassen sich hinreißen.

 

3. Glaube von früher und Glaube jetzt: Damit nun nicht immer alle rätseln, wie dies Andere aussieht und wo es wohnt, haben Leute gesagt: Was da spricht, das hat auch früher gesprochen, eben zu diesen Leuten am östlichen Mittelmeer, die haben alles protokolliert, und heute nennen wir das Bibel. Sie erkennen in der  Stimme heute den Gott von damals. Das ist gewagt, und es leuchtet auch nicht immer ein. Aber die gute Nachricht ist: man ist dann nicht allein mit dieser Stimme. Man hat Vorfahren im Hören.  

Und denen, die annehmen, der alte Gott spreche auch jetzt, denen hat Jesus gesagt: "Wenn ihr mich seht, seht ihr Gott. Wenn ihr seht, wie ich mit Menschen umgehe, seht ihr Gott. Und wenn ihr seht, wie ich mit leide an dem, was falsch läuft, dann seht ihr Gott, wie er mitleidet. Und nachdem ich gestorben bin, seht ihr mich nicht mehr. Aber ihr könnt mich nun immer in Menschen entdecken, die auch Schmerzen haben. Oder die ihr Leben lieben und sich nicht zufrieden geben mit schlechten Versprechungen. Oder die kämpfen, wenn Leute keine Arbeit kriegen. In denen lebe ich und in allen anderen auch. Z.B.  in deinem Masseur, auch in deinem Bruder, den du nicht leiden kannst. Und in dir."

Das alles ist noch viel gewagter und hatte ja kein Happyend. Denn dann wären alle, die da mitgehen göttlich. Das mögen Kirchenwächter nicht so gern hören. Denn damit hat Jesus auch gesagt: "Gott hat ein Gesicht, nämlich zunächst meins. Und wenn Ihr das merkt und glaubt, dann seid ihr meine Geschwister. Und da Geschwister sich ähneln, kann man Gott auf meinem und auf Eurem Gesicht sehen."

 

Man kann also glauben, dass das Unsichtbare überall ist und sagt ‚Ich bin da'. Man muss nicht glauben, dass Gott einen Bart hat und am Lenkrad sitzt, denn so einen Gott gibt es gar nicht. Und man kann gleichzeitig glauben, dass Gott in Jesus Christus zu sehen war und jetzt auch in allen Menschen. Wer das glaubt -  ist Christ*in.

Nur: damit ist man noch ein bisschen für sich allein -  so eine Art Single-Christ.

 

4. Zusammen glauben Damit man merkt, dass man (christliche) Geschwister hat, sucht man am besten nach ihnen. Dann kann man sie kennenlernen. Das geht überall – am leichtesten in der Kirche. Da findet man welche. Will man sie noch näher kennenlernen, spricht man mit ihnen. Tut man das länger, dann merkt man Ähnlichkeiten und Unterschiede wie bei den eigenen Geschwistern auch. Und man gehört immer mehr dazu, je länger man miteinander redet. Man findet sie aber auch überall, das heißt manchmal eher nicht in der Kirche, weil da einige sich zu sicher sind zu Gott zu gehören. Das gibts, dass man sich zu sicher ist. Dann verdunstet der Glaube heimlich. Abenteuer gehört schon dazu.

Wer in diese Familie ganz rein will, lasst sich dann irgendwann taufen. Da sagt man: Ja, ich gehör zu diesen Christen, die vom ‚Ich-Bin-Da' abstammen und Jesus als Bruder haben.

Viele Eltern entscheiden das für ihre Kleinen, so wie sie die Schule wählen und den Wohnort.  Dann sind die Kinder kleine Christen. Aber was das bedeutet, das müssen sie später selber rausfinden, z.B. im Konfirmanden-Unterricht. Andere Eltern lassen es ihre Kinder selbst entscheiden.

In der Taufe und später immer wieder  sagt dann das Unsichtbare zu dir: "Du bist mein liebes Kind, an dir habe ich meine Freude.". Das hat es auch zu Jesus gesagt, als der sich hat taufen lassen. Dann hat man Christengeschwister. Viele und weltweit.

 

wissterbescheid  ;-)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

weitere Blogs

Gezeigt wird das Cover des Romans Shuggie Bain, auf dem ein kleiner Junge zu sehen ist, der mit seiner Mutter im Bett liegt. Sie schauen sich in die Augen
In "Shuggie Bain" erzählt Douglas Stuart von einem jungen schwulen Außenseiter in prekären Verhältnissen im Schottland der achtziger Jahre. Ein Buchtipp anlässlich der derzeit stattfindenden Frankfurter Buchmesse.
Manche Spielzeugangebote sind theologisch, na ja, anspruchsvoll.