Erinnerung an das Leben

Welt-Aids-Tag 2021
Grablicht am Gemeinschaftsgrab des Vereins Denk mal positHIV auf dem Alten St. Matthäus Kirchhof in Berlin-Schöneberg

Foto: Rainer Hörmann

Erinnerung an das Leben
Wie im Jahr zuvor wird das Gedenken am Welt-Aids-Tag von den Bedingungen der Corona-Pandemie geprägt. Eine Auswahl an Veranstaltungen und Gottesdiensten – und was unwandelbar gilt, damals wie heute.

In einer Talkshow zum Thema Corona und Impfung gegen Covid-19 wurde kürzlich eine verstärkte Aufklärungskampagne gefordert: "wie damals" beim Ausbruch der Aids-Pandemie Anfang der achtziger Jahre und alle assoziierten augenblicklich den Werbespot mit Hella von Sinnen an der Supermarktkasse und ihrem unbekümmerten Ruf nach den Kondomen.

Vielleicht ist es ja nicht das Schlechteste, wenn man ein solches Detail erinnert, denn der Werbespot steht ja für das entschlossene Engagement unzähliger Menschen gegen die Immunschwächekrankheit und ihre verheerenden Folgen. Es gab sehr viele Irrtümer, es gab sehr viel Widerstand, es gab nicht zu zählende und irreparable Verletzungen der menschlichen Seele, es gab sehr viele, viel zu viele Tote, bis medizinische Therapien entwickelt werden konnten, die aus dem "Todesurteil" HIV-Infektion eine chronische Krankheit machten, die in vielen Fällen behandelbar ist – und zwar so, dass bei regelmäßiger Therapie HIV unter die Nachweisgrenze gebracht wird und Infizierte nicht mehr als infektiös gelten.

Für die Deutsche Aids-Hilfe steht darum "das Leben im Vordergrund – nicht HIV". Mit ihrer diesjährigen Kampagne "Leben mit HIV. Anders als du denkst" (Bericht auf evangelisch.de) soll der selbstverständliche Alltag von Menschen mit HIV in den Vordergrund gerückt werden – und die Solidarität mit ihnen. Bei einer Online-Befragung im letzten Jahr berichteten 95 Prozent von mindestens einer diskriminierenden Erfahrung in den letzten zwölf Monaten aufgrund von HIV.

Der diskriminierungsfreie Umgang und der Zugang zu medizinischer Versorgung für alle Menschen bleiben die zentralen Forderungen. Nach wie vor erhält ein Viertel der weltweit Betroffenen keine medizinisch-ärztliche Versorgung. In Deutschland dagegen nehmen 96% der Menschen mit HIV-Diagnose HIV-Medikamente.

Aktuelle Zahlen wird das Robert-Koch-Institut kurz vor dem Welt-Aids-Tag vermelden. Für 2020 wird ein Rückgang der Neuinfektionen vermutet. Und der Grund ist ... Corona. In der Pandemie waren die Menschen weniger mobil, die Zahl der sexuellen Kontakte nahm ab, HIV-Tests waren weniger nachgefragt.

Auch das Gedenken an die in Folge von HIV/Aids Verstorbenen – in Deutschland etwa 30.000 Menschen, weltweit 36 Millionen – wird von der Corona-Pandemie geprägt sein. Die Aids-Hilfe Frankfurt wird wie im letzten Jahr per Video erinnern. Wo Veranstaltungen vor Ort geplant sind, ist teilweise eine Anmeldung nötig, und alles steht unter dem Vorbehalt der Pandemie-Dynamik.

Was gerade im Schatten der aktuell rasant steigenden Covid-Infektionen und der prekären Situation in Krankenhäusern und Intensivstationen gelten muss, das galt und gilt auch für das jahrzehntelange Engagements gegen das HI-Virus und für Menschen mit HIV-Diagnose: füreinander da sein, gerade in dunklen Zeiten; tun, was man tun kann; Hilfe annehmen ohne Scham; anderen helfen. Nicht nur am Welt-Aids-Tag sollte die Erinnerung an die Toten immer auch eine Erinnerung an die Lebenden sein.

Gottesdienste und Veranstaltungen anlässlich des Welt-Aids-Tags 2021 (Auswahl/Stand: 24.11.2021 - Angaben ohne Gewähr, bitte vor Ort über mögliche Beschränkungen/Änderungen/Absagen aufgrund der Corona-Lage informieren):

Berlin | Zwölf-Apostel-Kirche, Berlin-Schöneberg. Update: Konzert ist auf 2022 verschoben!

Eine neue Kantate zum Welt-Aids-Tag. "But Broken Lovely" ("Aber gebrochen liebenswürdig") wird vom Ensemble Die Goldvögel aufgeführt. Beim Konzert gibt es auch Grußworte von Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein (EKBO) und von Burkhard Bornemann, Pfarrer der Zwölf-Apostel-Kirche. Eintritt: 10 Euro. (Link)

Berlin | Alter St. Matthäus-Kirchhof, Berlin-Schöneberg. Update: Die Gedenkveranstaltung am 4.12. wurde abgesagt, verbunden mit der Einladung des Vereins Denk mal positHIV, "an diesem Samstag oder in den Tagen danach, individuell unsere Grab- und Gedenkstätte zu besuchen und im Gedenken Grablichter abzustellen".

Bielefeld | Mittwoch, 1. Dezember 2021 | 18 Uhr

Süsterkirche, Güsenstraße 22. Gottesdienst unter dem Motto "Positiv sichtbar", veranstaltet vom Krankenhaus Mara, der Aidshilfe Bielefeld, der HuK (Homosexuelle und Kirche) sowie Ev.-Reform. Kirchengemeinde Bielefeld.

Frankfurt a.M. | Mittwoch, 1. Dezember 2021 | 15 Uhr

Gottesdienst als Video auf dem YouTube-Kanal der Aids-Hilfe Frankfurt (Link), gestaltet von Pfarrerin Petra Babylon (ev.) und Pfarrer Matthias Struth (kath.) – beide in der Klinikseelsorge tätig.

Hamburg | Dienstag, 30. November 2021 | 18 Uhr

Hl. Dreieinigkeitskirche St. Georg. Gottesdienst, anschließend 19:30 Candle Light Walk. (Link)

Mannheim | Mittwoch, 1. Dezember 2021 | 18 Uhr

Ev. CityKirche Konkordien, R 2, 1. Ökumenischer Gottesdienst der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK). (Link zur Anmeldung)

Nürnberg | Mittwoch, 1. Dezember 2021 | 18 Uhr

St. Jakob – Jakobskirche, Jakobsplatz 1. Gottesdienst (Stadtmission) mit anschließender Gedenkveranstaltung zum Thema "Freiheit".

Wiesbaden | Montag, 29. November 2021 | 17-18 Uhr

Church of St. Augustine of Canterbury. Gedenkgottesdienst der Aidshilfe Wiesbaden. Der Quilt der AH Wiesbaden wird vor dem Altar ausgelegt. Musikalische Begleitung: ensemble vierton.

Wuppertal | Sonntag, 5. Dezember 2021 | 18 Uhr:

CityKirche Elberfeld, Kirchplatz 2. Ein anderer Gottesdienst zum Welt-Aids-Tag. Nachdenkliches, Musik, Gespräch, Stärkung, Feier. Der Ökumenische Arbeitskreis Kirche und Aids beschließt mit dieser Veranstaltung seine Arbeit voll Dankbarkeit für alle, die in ihm mitgewirkt haben. Anmeldung erforderlich. (Link)

 

weitere Blogs

Unter 24 Türchen am Tag stehen wir gar nicht erst auf.
Gestern Abend las ich nochmal ein wenig, was so auf twitter los ist, da traf ich dann auf einen neuen Account, der schon recht groß ist und - Achtung: Spoiler! – den ich sehr lustig finde.