"Wunderbar geschaffen"

Regenbogen

Foto: unsplash/Harry Quan

Wer hinschaut, sieht: die Welt ist bunt wie ein Regenbogen.

"Wunderbar geschaffen"
Am Freitag erreichte mich folgende SMS: "Homosexualität ist als Teil der Schöpfung zu sehen. Die Lebensordnung der EKHN wurde mit diesem Satz heute nach dritter Lesung verabschiedet."

WOW denke ich, nun ist es geschafft. Der lange Weg ist zu Ende. Einen Weg der im Dezember 2001 seinen Anfang nahm. Damals war ich Synodaler in der EKHN Synode und durfte als einer von vieren zur Synode sprechen. So hatte es vorher der Ältestenrat bestimmt. Ein Theologe, ein Jurist, ein Betroffener und ein Gegner sollten den Synodalen ihre Meinung zum Thema Segnung von Gleichgeschlechtlichen erörtern.

Ich beendete damals meine Rede mit den Worten: "….Ich wünsche mir einen Weg, auf dem wir gemeinsam gehen, damit wir irgendwann einmal alle einstimmen in das Lob jener wunderbaren Schöpfung, zu der wir alle gehören."

"Zu der wir alle gehören". Endlich denke ich, endlich gibt es keinen Unterschied mehr. Ich bin ein Teil der Schöpfung. Hier steht es schwarz auf weiß: Homosexualität ist Teil der Schöpfung. Dieser Satz bedeutet mir so viel mehr. Er bedeutet: Gott hat keinen Fehler gemacht. Der Teufel hatte nicht seine Hände im Spiel, als ich geschaffen wurde. Was ich schon immer wusste, ist jetzt ganz offiziell ins Gesetz, in die Lebensordnung unserer Landeskirche, der EKHN, aufgenommen worden.

Schwule und Lesben sind Teil der wunderbaren Schöpfung Gottes.

Dass es bei der synodalen Verhandlung vor allem um den Begriff Trauung ging, ist mir dabei eigentlich gar nicht mehr so wichtig. Aber auch das hat die Synode heute in dritter Lesung verabschiedet. "Trauung für alle". Trauung ist Trauung, egal ob zwei Männer, zwei Frauen oder ein gemischtes Paar am Altar stehen. Trauung ist Trauung, weil es die Liebe ist, die Menschen zusammenbringt.

Wir sind einen langen Weg gegangen, heute endet für mich dieser Weg. Ich denke an alle, die mit mir gemeinsam gekämpft, gebetet, gestritten haben. Ich bin dankbar für jede und jeden. Ich denke an die vielen Männer und Frauen, denen das Recht auf Liebe genommen wurde und die nun endlich einstimmen können in das Lied der Freude: "Gott, wir danken Dir, dass wir wunderbar geschaffen wurden, wunderbar sind Deine Werke."

Hintergrund: Kirchliche Lebensordnungen sind Regelungen der evangelischen Kirchen, in denen zumindest die Kasualien (von lat. Casus = Ereignis, Einzelfall; auch Amtshandlungen genannt) geregelt sind, also hauptsächlich Taufe, Konfirmation, Trauung, Bestattung. Daneben können auch weitere Bereiche des gemeindlichen Lebens umfasst sein. Lebensordnungen werden zumeist von den Synoden der jeweiligen Landeskirchen beschlossen.

Kirchliche Trauung oder Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften in den evangelischen Landeskirchen.

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Ein Lob auf die TweetDeck-Suchspalte
Normaler Weise bin ich in der Woche mehrfach allein in einer Kirche, z.B. dienstags übe ich in der Kirche Flügelhorn, da störe ich niemanden mit falschen Tönen, freitags bereite ich dort den Konfirmand:innenunterricht vor, bevor die Konfi-Meute anrückt, samstags checke ich, ob alles für den Gottesdienst bereitsteht und spätestens aber am Sonntagmorgen, um einmal die Predigt allein durchzusprechen oder um mich einzusingen. Vielleicht findet in der Woche zusätzlich noch eine Beerdigung statt oder ein:e Handwerker:in hat sich angemeldet. Es gibt also viele Anlässe, die mich in der Kirche sein lassen.
Auslaufen der "Sea-Watch 4"
Das von der Evangelischen Kirche initiierte Seenotrettungsschiff "Sea-Watch 4" startete im Sommer seine Mission im Mittelmeer. Für evangelisch.de schrieb die Journalistin Constanze Broelemann in ihrem Blog "Seenotizen": "Wir sind auf See. Endlich. Gut vorbereitet, nimmt die "Sea-Watch 4" Kurs auf die libysche Küste. Ich nutze die Zeit vor den ersten Rettungsmanövern, um mit einigen meiner Crew-Mitglieder über ihre Motivation für die Mission zu sprechen."