Alte Liebe welket nicht

Alte Liebe welket nicht

To get carried away nennt man es auf Englisch, wenn jemandem die Gäule durchgehen, oder, netter gesagt, wenn jemand von etwas so mitgerissen wird, dass er darüber die Konsequenzen seines Tuns vergisst. Wenn es um den Garten geht, ermahnt mich der Mann hin und wieder: „Don’t get carried away!“, etwa wenn wir im Gartencenter sind und ich in meiner Begeisterung Topf um Topf in den Einkaufskorb packe, ohne darüber nachzudenken, wo in unserem Garten noch Platz ist für neue Pflanzen. Meist tue ich einen solchen Hinweis ab mit: „Ach, ich finde schon ein Plätzchen.“ Wenn das nicht hilft, drohe ich: “Du musst eben ein neues Beet graben.“

Allerdings haben wir inzwischen schon reichlich Beete. Und, unter uns gesagt, nicht nur wenn ich die Rasenkanten schneide, kommt mir manchmal der Gedanke: Was, wenn ich all das, was ich hier mühsam hege und pflege und großziehe, nicht mehr schaffe? Denn wenn der Rücken schmerzt, der Ischiasnerv kneift oder ich nach getaner Gartenarbeit am nächsten Tag vor lauter Muskelkater kaum aus dem Bett komme, macht mir das deutlich, dass unser naturnaher Garten zwar schön, aber nicht eben pflegeleicht ist. Und dass ich jeden Tag einen Tag älter werde und mir das Gärtnern in dieser Form eines hoffentlich fernen Tages vermutlich so nicht mehr möglich sein wird.

Noch bin ich recht immun gegen die Mahnungen des Mannes. Aber schaden kann es ja nicht, sich schon mal mit dem Thema „Gärtnern im Alter“ vertraut zu machen. Denn eins weiß ich sicher: Auch im Alter möchte ich nicht ohne Garten sein. Hauptsache, es geht mir damit nicht der Gaul durch.

Hier einige Tipps zum Thema „Gärtnern im Alter“:

  • Wenn Sie schwer heben müssen: Immer aus der Hocke heraus, mit geradem Rücken und niemals mit verdrehtem Oberkörper. Keine einseitige Belastung. Um schwere Töpfe oder ähnliches von A nach B  zu transportieren, Schub- oder Sackkarre verwenden. Oder jemand anderen um Hilfe bitten.
  • Pflanztöpfe auf Rollbretter stellen, sodass sie jederzeit verschoben werden können.
  • Hoch- oder Tischbeete für diejenigen, die sich wegen Rückenproblemen nicht bücken können oder im Rollstuhl sitzen.
  • Arbeitsgeräte wie Spaten und Rechen mit einem ausreichend langen Stiel verwenden, sodass Arbeiten in aufrechter statt gebückter Haltung ausgeführt werden können.
  • Kniepolster verwenden.
  • Eventuell Bewässerungssysteme einbauen, um das Hantieren mit schweren Gießkannen zu vermeiden.
  • Darauf achten, dass der Körper nicht zu einseitig belastet wird.
  • Zwischendurch Entspannungsübungen machen und Ruhepausen einlegen.

Wenn die Gartenarbeit gar zu mühsam wird, ist es vielleicht Zeit, über ein paar Veränderungen nachzudenken. Damit ist nicht gemeint, dass Sie in eine Etagenwohnung umziehen sollten. Aber eine Gestaltung, die weniger Arbeit macht und trotzdem ansprechend ist, wäre eventuell hilfreich. Hierzu einige Tipps:

  • Da es mit zunehmendem Alter nicht nur mühsamer, sondern auch gefährlicher wird, auf Leitern zu klettern oder auf Tritts zu balancieren, sollte auf Pflanzen, die einen regelmäßigen Schnitt brauchen, verzichtet werden. Alternativ können kleinere bzw. langsam wachsende Pflanzen verwendet werden. Wer Obstbäume im Garten haben möchte, sollte eventuell über Spalierobst nachdenken.
  • Grundsätzlich gilt: Attraktive, aber pflegeleichte Pflanzen verwenden, also solche, die keine regelmäßige Aufmerksamkeit wie Rückschnitt, Formschnitt, Dünger, viel Wasser, Stützen oder Hochbinden benötigen.
  • Lieber: Mehrjährige statt einjährige Pflanzen verwenden. Bodendecker oder andere Pflanzen verwenden, die das Ausbreiten von Unkraut unterdrücken. Trockenheitsresistente Pflanzen verwenden.
  • Unterschätzt wird oft, wie viel Arbeit ein Rasen macht: Er muss regelmäßig gemäht werden, was recht mühsam werden kann. Deshalb lohnt es sich eventuell, darüber nachzudenken, die Rasenfläche zu verkleinern.
  • Wege so gestalten, dass sie auch mit einer Gehhilfe oder Rollstuhl bequem zu begehen sind: rutschfest (kein Holz!) und ohne Stolperfallen müssen sie sein.
  • Stufen mit einem Stützgeländer versehen, Rollstuhlfahrer brauchen eine Rampe.

Wichtig ist in jedem Fall eine realistische Einschätzung dessen, was man noch selbst machen kann und was man lieber einem Fachmann überlassen sollte. Wer es sich leisten kann, sollte u.U. einen Helfer engagieren, der die Bäume ausschneidet oder den Rasen mäht.

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