Am 6. Januar ist noch einmal Weihnachten

Zu "Epiphanias" geht es um mehr als drei Könige
Heilige Drei Könige

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Heute kennen wir den 6. Januar unter dem Namen "Heilige Drei Könige". Es wird die Ankunft der Magier gefeiert, die dem Stern über Bethlehem folgten, der sie zum frisch geborenen Jesuskind führte. Doch diese Geschichte ist nur eine unter anderen, die mit dem ursprünglichen Fest zu diesem Datum verbunden sind, denn es ging bei "Epiphanias", wie das christliche Fest eigentlich heißt, darum, dass sich in diesem Menschen, Jesus von Nazareth, Gott zeigt. Epiphanias ist im Grunde ein weiteres Weihnachtsfest.

Noch bevor die Christenheit am 25. Dezember Weihnachten feierte, gab es bereits das Fest Epiphanias. Epiphanias ist das Fest der "Erscheinung des Herrn". Wörtlich bedeutet Epiphanias so viel wie: Gott "zeigt" (griechisch: phaino) "auf" (griechisch: epi) Jesus als den Messias. Wie und wann genau dieses Fest entstanden ist, liegt im Dunkel der Geschichte verborgen. Handfeste Belege für Epiphanias stammen erst aus dem letzten Viertel des 4. Jahrhunderts, doch muss davon ausgegangen werden, dass man auch schon lange davor die "Erscheinung des Herrn" an diesem Datum feierte.

Von Anfang an hat es mehrere Festinhalte gegeben: Die antiken Quellen bezeugen, dass an diesem Tag die Geburt Jesu (Lukas 2,1-21) gefeiert wurde und gleichzeitig seine Taufe (Matthäus 3,13-17). So ist es in Ägypten belegt. Doch waren beispielsweise auf Zypern am 6. Tag des neuen Jahres neben der Geburt Jesu die Ankunft der Magier (Matthäus 2,1-12) und die Hochzeit zu Kana (Johannes 2,1-12) die Inhalte des Epiphaniasfestes. In Jerusalem hingegen ging es ausschließlich um Jesu Geburt.

Warum mag die Christenheit darauf gekommen sein, an einem einzigen Datum so viele verschiedene Inhalte zu feiern? Der Grund ist in der Aussage zu suchen, die uns heute so einfach zu Weihnachten über die Lippen kommt, wenn gesagt wird: "Gott wird Mensch". Dieser kleine Satz ist aber für antike Ohren eine so unglaubliche Vorstellung, dass man mehrere Aspekte brauchte, die das deutlich machen. Das galt besonders für den griechisch-sprachigen, östlichen Teil der Christenheit, in dem man den Glauben auch philosophisch durchdringen wollte. Für einen Menschen, der in diesen philosophischen Kategorien dachte, war es unvorstellbar, dass ein Gott als Kind geboren werden konnte.

Der Beleg der Göttlichkeit Jesu

So wurden andere biblische Zeugnisse hinzugezogen, um die Göttlichkeit Jesu zu belegen. Zu der Geburtsgeschichte, die wir von Weihnachten her kennen, gesellten sich als "Weihnachtsgeschichten" diese, in denen Gott, der immer noch "im Himmel" sitzt, zu Jesus sagt: Der da ist tatsächlich mein Sohn – so in den Geschichten von der Taufe Jesu. Zusätzlich brauchte es auch andere Menschen, die der Eingebung Gottes gefolgt sind, und die nun zu Jesus sagen: Der da ist es – wie die Magier aus dem Osten. Und nicht zuletzt musste Jesus sich selbst durch seine Macht als der Sohn Gottes erweisen – wie er es mit dem ersten Wunder im Johannesevangelium tut, als er Wasser in Wein verwandelt.

Im lateinisch-sprachigen, westlichen Teil der Christenheit wurde Theologie weniger von der Philosophie her betrieben. Hier ging es vielmehr um Seelsorge, die Feier des Gottesdienstes und Mission. Im Westen bildete sich das Weihnachtsfest aus, wie wir es bis heute feiern: Am 25. Dezember mit dem einzigen Schwerpunkt auf der Geburt Jesu. Das Epiphaniasfest wurde in Italien zwar auch gefeiert, allerdings mit den Schwerpunkten auf der Anbetung durch die Magier und auf der Taufe Jesu.

Als sich 1054 die Westkirche von den Ostkirchen trennte, behielten beide Kirchen ihre Schwerpunkte des Epiphaniasfestes bei. In den orthodoxen Ostkirchen wird noch heute am 6. Januar die Geburt Jesu gefeiert. In der katholischen Kirche wurde vor allem die Anbetung durch die Magier immer populärer. Das wurde durch die Legende von den Drei Heiligen Königen unterstützt. Nach dieser Legende waren die Magier drei Könige mit Namen Caspar, Melchior und Baltasar.

Als der deutsche Kaiser Barbarossa 1158 die Stadt Mailand einnahm, brachte er als Beute auch die in Mailand verehrten Gebeine mit, die die Knochen der drei Königen sein sollten. Diese Reliquien schenkte er 1164 dem Erzbischof von Köln. Dort werden sie bis heute aufbewahrt und sind seit Jahrhunderten ein beliebtes Ziel für Wallfahrten.

Martin Luther konnte sich nicht durchsetzen

Martin Luther wollte das Epiphaniasfest vor allem zum Fest der Taufe Jesu machen und das Fest, das sich mittlerweile in Deutschland zum Fest der Heiligen Drei Könige gewandelt hatte, entsprechend umbenennen. Das hat sich – auch in der evangelischen Kirche – nicht durchgesetzt. Wir nennen den 6. Januar zwar mit dem alten Namen Epiphanias, doch ist bis heute in den lutherischen Kirchen die Anbetung Jesu durch die Magier der Evangeliumstext, also der Haupttext für den Gottesdienst.

Auch die anderen Texte haben sich in den evangelischen Gottesdiensten erhalten. So ist die Taufe Jesu der Evangeliumstext für den ersten Sonntag nach Epiphanias, die Hochzeit zu Kana ist für den zweiten Sonntag nach Epiphanias vorgesehen.

Die Glaubensaussage, dass Jesus Christus Gottes Sohn ist, dass Gott Mensch geworden ist, kann gut mehrere Festtage vertragen – den, an dem wir feiern, dass Gott tatsächlich als Kind geboren wurde und den, an dem wir feiern, dass dieses Kind von Gott als sein Sohn bestätigt wurde. Nach der kurzen Epiphaniaszeit geht es dann in die Passionszeit, in der sich das Christentum besinnt, wie Ernst Gott es mit seinem Menschsein wirklich gemeint hat.

Dieser Artikel erschien erstmals am 6. Januar 2016 auf evangelisch.de.