"Wir wollen einen Segen für unsere Liebe!"

Initiative Regenbogen

Foto: Markus Bechtold

99 Luftballons der Initiative Regenbogen ziehen als Zeichen der Hoffnung in den Stuttgarter Himmel.

Die Initiative Regenbogen hat Rückenwind im Ländle und feiert in Stuttgart die Unterstützung von 58 Kirchengememeinden. Zusammen sind sie gegen Diskriminierung und für die öffentliche Segnung lesbischer und schwuler Partnerschaften in der württembergischen Landeskirche.

Die Gäste sind aus ganz Württemberg angereist. Im Hospitalhof der Stuttgarter Innenstadt wird es fröhlich. Die Initiative Regenbogen wächst seit ihrer Gründung im Juli 2016. Weil das in Württemberg keine Selbstverständlichkeit ist, wird das gefeiert. "Gerade weil dieses Thema in vielerlei Hinsicht eine große Herausforderung für unsere Landeskirche ist, ist es uns wichtig, auf diese Weise eine positive Wegmarke zu setzen", sagt Judith Quack, Sprecherin der Initiative Regenbogen.

Pfarrerin Birgit Rommel vom Bündnis Kirche und Homosexualität, im Hintergrund die Rainbow Sisters.

Die Initiative Regenbogen setzt sich für die Gleichstellung von Lesben und Schwulen in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg ein. Sie ist eine Aktion des "Bündnisses Kirche und Homosexualität" (BKH) und startete mit der Unterstützung von 16 Kirchengemeinden. Seitdem sind kontinuierlich weitere Gemeinden hinzugekommen - hauptsächlich nach der knappen Synodalentscheidung im November 2017, in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg weiterhin keine öffentliche Segnung lesbischer und schwuler Paare zuzulassen.

"Inzwischen haben wir die Unterstützung von 58 Gemeinden der Landeskirche", sagt Judith Quack, Sprecherin der Initiative Regenbogen im Hospitalhof in der Stuttgarter Innenstadt. Die kleinste Kirchengemeinde umfasst 374 Gemeindeglieder, die größte 9.635 Gemeindeglieder. Konkret fordert die Initiative Regenbogen eine mögliche Segnung von lesbischen und schwulen Paaren in einem öffentlichen Gottesdienst. Ziel ist darauf hin zu wirken, dass kirchenrechtliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, die der Diskriminierung von Lesben und Schwulen, sei es im Pfarrhaus und oder in der Kirchengemeinde vor Ort, ein Ende setzen.

In Gemeinschaft Diskriminierung überwinden

Die Landkarte zeigt, welche Gemeinden bereits dabei sind und unterstützen.

"Die Frage nach der Gemeinschaft von Lesben und Schwulen in unserer Kirche ist nicht nebensächlich, sondern eine zentrale theologische und geistliche Frage", sagt die Stuttgarter Prälatin Gabriele Arnold in ihrem Grußwort. Es stelle sich die Frage: Wie gehen wir miteinander um? "Wir können nicht die Gottebenbildlichkeit und die Menschenwürde jedes Menschen behaupten und dann andere diskriminieren."

Nach den gängigen Statistiken müsste es in der württembergischen Landeskirche rund 100.000 bis 200.000 schwule oder lesbische Mitglieder geben, schätzt Arnold, die zuletzt Schirmherrin des Christopher Street Days in Stuttgart war. Darunter seien auch Pfarrerinnen und Pfarrer, Diakone und Diakoninnen und andere Mitarbeiter und Ehrenamtliche. Arnold kennt die konkrete Zahl nicht. Sie weiß aber, dass sehr viele Menschen in den vergangenen Jahren enttäuscht aus ihrer evangelischen Kirche ausgetreten sind. "Nicht, weil sie nicht an Jesus Christus glauben, sondern, weil sie die Diskriminierung, die sie täglich erleben, nicht mehr ertragen, weil ihnen Vorurteile begegnen. Und weil wir ihnen den Segen für ihre Liebe vorenthalten", erklärt Arnold.

Gabriele Arnold fordert das Thema Homosexualität aus der Tabuzone zu holen und zu sagen: "Ihr seid uns willkommen!" Klar müsse man sich fragen lassen, warum lediglich 58 der rund 1.300 Kirchengemeinden ihre Unterstützung und Ermutigung anbieten. "Eigentlich müssten es ohne Ausnahme alle Kirchengemeinden sein", stellt Arnold fest. Der Umgang mit gleichgeschlechtlichen Paaren in der württembergischen Landeskirche bleibt umstritten. Bei der vergangenen Herbstsynode scheiterte der Antrag, die öffentliche Segnung gleichgeschlechtlicher Paare zu erlauben, knapp um zwei Stimmen an der Zwei-Drittel-Mehrheit. In den anderen Mitgliedskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sind Segnungsfeiern oder gottesdienstliche Trauungen inzwischen möglich. Die Stuttgarter Prälatin setzt sich für LSBTTIQ  ein und fordert daher: "Wir wollen einen Segen für unsere Liebe!"

So stiegen dann auch als Zeichen der Hoffnung 99 regenbogenfarbene Luftballons aus dem Hospitalhof in der Stuttgarter Innenstadt gen Himmel. Vor Weihnachten hätten sich mehr als 80 Prozent der Dekane und mehr als 90 Prozent der Schuldekane für eine öffentliche Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften im Gottesdienst ausgesprochen. Die Initiative erfährt zunehmend Rückenwind in Württemberg. Judith Quack bekräftigt: "Wir feiern, dass wir zusammen für eine Kirche einstehen, die Vielfalt repräsentiert und Diskriminierung jeglicher Art eine Absage erteilt."