Baptisten-Präsident: Martin Luther Kings Ideale nach wie vor aktuell

Martin Luther King

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Martin Luther King in der Kanzel der Ebenezer Baptist Church von Atlanta um 1966. Viele Kirchengemeinden - auch in Deutschland - benannten Kirchen, Gemeindezentren und Kindertagesstaetten nach dem Baptistenpastor.

Die Baptistengemeinden in Deutschland haben den Menschenrechtler und Baptistenpastor Martin Luther King jr. zu dessen 50. Todestag gewürdigt. Sein Ideal einer friedlichen, gerechten und solidarischen Welt habe bis heute nichts an Aktualität verloren, sagte Michael Noss, Präsident des baptistischen Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Berlin.

Der schwarze Friedensnobelpreisträger Martin Luther King wurde am 4. April 1968 in Memphis im US-Bundesstaat Tennessee ermordet.

Die Mitte der 1950er Jahre begonnene Bürgerrechtsbewegung habe ihre historischen Wurzeln zwar vor allem in einer lokalen Baptistengemeinde in Montgomery, Alabama, wo King Pastor war. Der Kampf gegen Rassendiskriminierung sei dann aber schnell zu einer "globalen und überkonfessionellen Geschichte geworden", fügte Noss hinzu. Es freue ihn, wenn sich auch Christen anderer Glaubensrichtungen mit King identifizierten. Noss: "Die Geschichte von Martin Luther King ist Weltgeschichte, sie ist Pastorengeschichte, und sie ist Baptistengeschichte."

Martin Luther King sei es vor allem um Gerechtigkeit gegangen, sagte Noss. Auch heute sei dies ein großes Thema. Zudem nehme der Rassismus weltweit "zumindest gefühlt" zu. "Von daher glaube ich, dass Martin Luther Kings Bestreben nach der Gleichheit aller Menschen - das war ja sein großes Oberthema - mit seiner Botschaft des gewaltfreien Widerstandes in der Tradition Gandhis nach wie vor ungebrochen relevant ist", betonte der 62-Jährige.

Der baptistische Theologe erinnerte an den historischen "Marsch auf Washington" von 1963, bei dem mehr als 250.000 Menschen gegen die Rassendiskriminierung in den USA protestierten. Dort hielt King seine berühmte Rede "I have a dream" ("Ich habe einen Traum"). Zwar könne man Geschichte nicht wiederholen, aber ein solch "ungeheures Zeichen der Solidarität wäre für mich auch heute eine große Sache". Vor allem wenn man bedenke, dass ein Drittel der Teilnehmer damals Weiße waren, sagte der Pastor.


Die Baptisten zählen zu den großen Konfessionsfamilien und sind Teil der reformatorischen Kirchengeschichte. Ihre Ursprünge reichen ins 17. Jahrhundert zurück. 1639 entstand die erste US-amerikanische Baptistengemeinde, 1834 die erste deutsche Gemeinde in Hamburg. Von der Hansestadt aus breitete sich der Baptismus in Deutschland und anderen Ländern Europas aus.

Zu den Grundzügen baptistischer Lehre gehören das Prinzip der Freiwilligkeit, der Einsatz für Menschenrechte, Religions- und Gewissensfreiheit, Ökumene sowie die Trennung von Staat und Kirche. Getauft werden erwachsene Menschen, die eine persönliche Entscheidung für den Glauben an Jesus Christus getroffen haben. Die Gemeinden sind geprägt durch flache Hierarchien und basisdemokratische Strukturen.

Dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland gehören rund 82.000 Mitglieder aus Baptisten- und freikirchlichen Brüdergemeinden an. Der Baptistische Weltbund (Baptist World Alliance) zählt rund 48 Millionen Mitglieder in 238 Bünden in 124 Ländern.