Chef von Luther-Stiftung: Kirche ruht sich auf Sonderstatus aus

Der Vorstandsvorsitzende der Internationalen Martin Luther Stiftung, Michael Inacker, übt im Rückblick auf die Feiern zum 500. Reformationsjubiläum scharfe Kritik an der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Sie habe es im Jubiläumsjahr versäumt, auf die wachsende Zahl der Nichtchristen einzuwirken und missionarisch gegenzusteuern.

"Die Kirche ist satt geworden und ruht sich auf ihrem öffentlich-rechtlichen Sonderstatus aus", sagte Inacker der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Luther würde sich im Grab umdrehen", fügte der Kommunikationsberater hinzu.

Die evangelische Kirche hatte bis Ende Oktober 500 Jahre Reformation gefeiert. 1517 hatte Martin Luther (1483-1546) seine 95 Thesen gegen die Missstände der Kirche seiner Zeit veröffentlicht, die er der Überlieferung nach am 31. Oktober an die Tür der Wittenberger Schlosskirche nagelte. Der Thesenanschlag gilt als Ausgangspunkt der weltweiten Reformation, die die Spaltung in evangelische und katholische Kirche zur Folge hatte.  

Im Jubiläumsjahr habe die EKD eine große Chance vertan, sagte Inacker der Zeitung. Das Engagement einzelner Pfarrer und Gemeinden habe zwar gefruchtet. Die EKD sei mit ihren Großveranstaltungen aber weniger erfolgreich gewesen. "Da kommen bei jedem Bundesligaspieltag mehr Menschen in die Stadien als in einem ganzen Jahr zu schlecht gemachten Sonderveranstaltungen. In Unternehmen müsste bei so einer Bilanz der Vorstandschef gehen", sagte Inacker. Die von ihm geführte Internationale Martin Luther Stiftung mit Sitz in Erfurt fördert Projekte, die der Auseinandersetzung mit Verantwortlichen aus Wirtschaft, Politik und Kirche über ethische Werte und geistige Orientierung dienen.


Insbesondere die Besucherzahl der Weltausstellung Reformation in Wittenberg mit 294.000 Eintritten zwischen Mai und September war hinter den Erwartungen der Veranstalter zurückgeblieben. In der Gesamtschau äußerte sich die EKD indes mit der öffentlichen Resonanz auf das Jubiläum zufrieden.

Mit viel Kreativität und Leidenschaft seien zigtausende Veranstaltungen ganz unterschiedlicher Art auf den Weg gebracht worden, sagte der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm im November bei der Synodentagung in Bonn. "Und alle haben dazu beigetragen, dass die Inhalte des Reformationsjubiläums die Herzen der Menschen erreichten", sagte er. Das gelte unabhängig von "Diskussionen um erwartete und tatsächliche Besucherzahlen oder Ticketverkäufe".