Evangelische Frauen: Spenderorgane nach gerechten Regeln verteilen

Der bundesweite Verband "Evangelische Frauen in Deutschland" hat gerechte Regeln bei der Verteilung von Spenderorganen angemahnt.

"Die Frage, nach welchen Regeln Schwerstkranke Organe erhalten sollen, hat der Bundestag bisher nicht beantwortet", kritisierte die Vorsitzende Susanne Kahl-Passoth am Mittwoch in Hannover anlässlich einer Anhörung des Gesundheitsausschusses im Bundestag zum geplanten Transplantationsregister. "Das wäre aber seine Aufgabe." Auch die Magdeburger Bischöfin Ilse Junkermann mahnte an, dass es nicht allein um medizinische Fragen bei der Organverteilung gehen dürfe. Die Bischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland unterstützt die Kampagne "Organspende, entscheide ich" des Frauen-Dachverbandes.

Die Bundesregierung hatte im März ein Gesetz über die Einrichtung eines zentralen Transplantationsregisters beschlossen. Dabei sollen in einem bundesweit einheitlichen Datensatz Informationen zu gestorbenen Organspendern, Organempfängern und Lebendspendern gespeichert und miteinander verknüpft werden. Dies soll helfen, Wartelisten-Kriterien und die Verteilung von Spenderorganen weiterzuentwickeln. Das Ziel ist zu erkennen, welches Spenderorgan am besten zu einem Patienten passt.

Junkermann verlangte eine gesamtgesellschaftliche Auseinandersetzung über das Thema. Die Verteilung von Lebenschancen sei eine Frage, die jeden betreffe. Kahl-Passoth sagte, der Gesetzgeber dürfe entscheidende ethische Fragen nicht Interessenverbänden wie der Bundesärztekammer oder den Verbänden der Krankenhausträger überlassen. Im Grundsatz begrüßten die evangelischen Frauen jedoch die Einrichtung eines zentralen Registers. Dieses erhöhe die Transparenz und beuge Missständen vor. Der Frauen-Verband vereint 39 Organisationen mit bundesweit rund drei Millionen Mitgliedern.

Kritik an dem Gesetzentwurf übte auch der Sozialverband Deutschland. Die gesamten Kosten würden den gesetzlichen Krankenkassen aufgeladen, sagte Präsident Adolf Bauer in Hannover. Die privaten Versicherungen würden geschont und könnten sich höchstens freiwillig beteiligen. So könne es passieren, dass die gesetzlichen Kassen die Kosten der Datenübermittlung für die privaten Kassen mittrügen. "Das ist wirklich ein Unding."

Das Transplantationsregister soll nach den Plänen der Bundesregierung unter Aufsicht der Bundesbeauftragten für den Datenschutz stehen. Die Daten sollen nur mit ausdrücklicher Einwilligung der Betroffenen übermittelt werden. Hintergrund der Pläne sind die Manipulationsskandale an mehreren deutschen Kliniken. Danach ging die Zahl der Organspender in Deutschland deutlich zurück. Das Register soll neues Vertrauen schaffen. In Deutschland zurzeit mehr als 10.000 Menschen auf ein Spenderorgan.