Da geht noch was!

Gelbes Maßband mit Millimeterstrichen

Foto: Rainer Hörmann

Wenn uns ein Thema auch 2018 erhalten bleiben wird, obwohl eigentlich alles dazu gesagt scheint, dann ist es die Segnung/Trauung schwuler und lesbischer Paare und das damit einhergehende Zeichen, in der Kirche willkommen zu sein.

Das neue Jahr ist noch jung, aber es tut sich schon was in Sache Segnung gleichgeschlechtlicher Paare - zumindest beim katholischen Mitbewerber!

Franz-Josef Bode, stellvertretender Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, ließ gegenüber der "Neuen Osnabrücker Zeitung" den Satz fallen "Man kann zum Beispiel über eine Segnung nachdenken – die nicht zu verwechseln ist mit einer Trauung." Diese Anregung wurde von der HuK (Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche) gern aufgegriffen: "Bode ist in der gesellschaftlichen Realität angekommen, für katholische Verhältnisse ist er mit seiner Forderung ein echter Türöffner", heißt es euphorisch in einer Pressemitteilung.

Nachdenken ist ja nie schlecht, und dem Bischof - wie auch der HuK - dürfte beim Formulieren klar gewesen sein, dass es sich bei diesem Thema in seiner Kirche allenfalls um Millimeterarbeit handeln kann. Das zeigte im Herbst letzten Jahres der Münsteraner Bischof Felix Glenn, der - laut Pressesprecher - "auf öffentlichen Druck" einem Pfarrer untersagte, einen Wortgottesdienst, keine Trauung, für den Emmericher Bürgermeister Peter Hinze und seinen Partner abzuhalten. Natürlich folgte das auch aus evangelischen Debatten sattsam bekannte "Man wolle homosexuelle Partnerschaften nicht herabwürdigen, aber ..." Gut gemeint, kam trotzdem nicht so gut bei den Betroffenen an und Peter Hinze brachte seinen Ärger sehr treffend auf den Punkt: "Die Kirche gibt Tieren, Autos oder Häusern einen Segen. Uns aber nicht. Das bedeutet, dass wir nicht dazugehören, weil wir schwul sind."

Mit dem Gemurkse von "irgendwie schon, aber nicht so" kennt man sich in der evangelischen Kirche ebenfalls bestens aus. Zum Jahresende 2017 brachte etwa der Schaumburg-Lippische Landesbischof Karl-Hinrich Manzke sein Missfallen über die Entscheidung des Bundestages, die Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare zu öffnen, zum Ausdruck, nicht ohne anzumerken, dass er die Entscheidung nicht schlecht machen wolle und dass die evangelische Kirche schwule und lesbische Paare wertschätze und achte. Aber ... es gäbe ein christliches Leitbild der Ehe von Mann und Frau, und da passte es Manzke gar nicht, dass in einer Stellungnahme der EKD das Gesetz zur Ehe für alle ausdrücklich begrüßt worden war. Er forderte, so der Bericht der "Schaumburger Nachrichten", eine freimütige und offene Debatte innerhalb der evangelischen Theologie über die Bedeutung von Ehe, Familie und Sexualität.

Gefühlt debattiert die Kirche just jene Themen schon eine Ewigkeit. Aber natürlich spricht nichts dagegen, weiter zu debattieren, denn nachdenken schadet ja nie.

Bleibt noch der "Cliffhanger" evangelische Landeskirche Württemberg. Hier wurde Ende letzten Jahres die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit für einen Antrag, der die Segnung von homosexuellen Paaren ermöglicht hätte, knapp verfehlt. Der rigorose schwäbische Glaubenssatz "Mir gäbet nix!" hatte sich doch wieder durchgesetzt. Tut sich also im württembergischen Teil vom Ländle nichts mehr? Ende der Debatte? Gottseidank nicht!

Zu Jahresbeginn hat eine große Mehrheit der Dekane in der evangelischen Landeskirche Württemberg in einem Schreiben an Landesbischof Frank Otfried July die Erlaubnis zur öffentlichen Segnung homosexueller Paare in ihren Kirchen gefordert. Die Segnung solle Gewissensentscheidung von Pfarrern sein. Das Aufbegehren der ‚mittleren Führungsebene" wird von der Stuttgarter Prälatin Gabriele Arnold als "kleine Revolution" gewertet. Und so gilt auch hier: Nach der Diskussion ist vor der Diskussion. Und dass der Fortschritt ... vielleicht gerade deshalb, weil 2017 für Lesben und Schwule mit der Ehe für alle einen großen Schritt bedeutete ... Millimeterarbeit ist und bleibt.

Passend dazu liest sich übrigens das Jahresthema 2018 der Männerarbeit der EKD - das sicher nicht originär die Segnung homosexueller Paare im Blick hatte -, als wundersamer Impuls fürs Nachdenken und Weiterdebattieren. "'Das Gute behaltet' (1. Thess 5,21) – Beweglich bleiben".